Neue Studie offenbart weltweit höchste Selbstmordrate bei brasilianischem Volk 5 Juni 2014

Der Werbung von Coca-Cola und der FIFA wurde das Bild eines Indianers gegenübergestellt, der fordert: 'Lasst die Guarani leben!'
Der Werbung von Coca-Cola und der FIFA wurde das Bild eines Indianers gegenübergestellt, der fordert: 'Lasst die Guarani leben!'
© Survival International

Eine bestürzende neue Studie zeigt, dass ein brasilianisches Volk nun unter der höchsten Selbstmordrate der Welt leidet. Mindestens 72 Mitglieder des Guarani-Volkes haben 2013 Selbstmord begangen; eine Rate, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten fast verdreifacht hat. Der Großteil der Opfer ist zwischen 15 und 30 Jahren alt.

Die Nachricht wurde nach gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und indigenen Demonstranten bekannt gegeben, am Vorabend der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

Die Guarani, die im landwirtschaftlich geprägten Inland im Süden Brasiliens leben, haben den Großteil ihres Landes an Viehzüchter und Zuckerrohr-Plantagen verloren, und ihre Anführer werden regelmäßig angegriffen und ermordet. Von ihrem Land vertrieben, leben die Guarani in armseligen Verhältnissen am Straßenrand oder in überfüllten Reservaten, wo Alkoholismus, Krankheiten, Gewalt und Selbstmord weit verbreitet sind.

Ein Guarani-Mann sagte: “Es gibt keine Zukunft, es gibt keinen Respekt, es gibt keine Arbeit und es gibt kein Land, auf dem wir pflanzen und leben können. Sie wählen den Tod, weil sie eigentlich im Inneren bereits tot sind.”

Die Guarani leiden unter Gewalt und einer extrem hohen Selbstmordrate als Folge des Raubes an ihrem Land.
Die Guarani leiden unter Gewalt und einer extrem hohen Selbstmordrate als Folge des Raubes an ihrem Land.

© Fiona Watson/Survival

Coca-Cola, einer der Hauptsponsoren der WM, ist in den Landraub-Skandal verwickelt, der den Guarani Elend und Tod gebracht hat. Coca-Cola bezieht Zucker vom US-amerikanischen Lebensmittelgiganten Bunge, welcher wiederum Zuckerrohr von Land kauft, das den Guarani geraubt wurde.

In einem Brief an Coca-Cola schrieben die Guarani: “Wir bitten Coca-Cola unser Leid zu berücksichtigen. (…) Wir wollen, dass Coca-Cola uns zur Seite steht, unseren Schmerz und unser Leid spürt; das Zuckerrohr vernichtet jegliche Zukunftshoffnung für unsere Kinder. Wir bitten Coca-Cola, von Bunge keinen Zucker mehr zu erwerben.”

Ironischerweise bewerben Coca-Cola und die FIFA die Weltmeisterschaft mit dem Bild eines glücklichen Indianers und den Worten “Willkommen zur WM für jeden”. Als Reaktion darauf hat Survival International eine Parodie-Anzeige geschaffen, die Nixiwaka, einen Yawanawá-Indianer zeigt, der den Betrachter mit “Willkommen zur dunklen Seite Brasiliens” willkommen heißt und “Lasst die Guarani leben!” fordert.

Amazonas-Indianer Nixiwaka sagte heute: "Coca-Cola trägt zur Zerstörung und zum Elend der Guarani bei, weil es Zucker von einem Unternehmen kauft, welches Zuckerrohr von Land bezieht, das den Guarani gestohlen wurde. Coca-Colas Bild eines glücklichen Indianers wird der realen Situation hinter der Kamera nicht gerecht. Lasst meine Verwandten, die Guarani, leben!“

Survivals Direktor Stephen Corry sagte: “Sich das Bild eines brasilianischen Indianers anzueignen ist ein dreister Schritt von Coca-Cola angesichts der Verwicklung des Konzerns in den Guarani-Landraubskandal. Dies ist nicht das erste Mal, dass Bilder von Indigenen benutzt wurden, um den Tourismus in einem Land zu unterstützen, dessen indigene Bürger systematisch verfolgt werden. WM-Besucher müssen sich bewusst sein, dass Brasiliens erste Einwohner den Preis für diesen wirtschaftlichen Aufschwung zahlen.”

Hinweis an die Redaktion:

- Laden Sie die Parodie-Anzeige ‘Willkommen zur dunklen Seite Brasiliens’ herunter.

- Nach den neuesten Zahlen, die die brasilianische Organisation CIMI veröffentlicht hat, beträgt die Selbstmordrate unter den Guarani in Mato Grosso do Sul 232 pro 100.000.

- Auf Survivals Webseite ‘Brasiliens dunkle Seite’ finden Sie mehr Beispiele zu Brasiliens Angriff auf indigene Rechte.

- Letzte Woche gab es Zusammenstöße zwischen Hunderten indigenen Anti-WM-Demonstranten und der Polizei, als die Indigenen gegen mehrere kontroverse Gesetzesentwürfe demonstrierten, die ihre Landrechte drastisch unterminieren würden.

- Laden Sie den Brief der Guarani an den US-amerikanischen Lebensmittelkonzern Bunge und an Coca-Cola herunter. (auf Portugiesisch, pdf, 1,8MB)

 

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