Coca-Cola in Landkonflikt in Brasilien hineingezogen

"Ein Guarani-Anführer bittet in einem verzweifelten Appell um die Rückgabe des angestammten Landes seiner Gemeinde."
"Ein Guarani-Anführer bittet in einem verzweifelten Appell um die Rückgabe des angestammten Landes seiner Gemeinde."

© Sarah Shenker/Survival

Guarani-Indianer in Brasilien fordern von Coca-Cola, keinen Zucker mehr vom US-Lebensmittelkonzern Bunge zu beziehen, der in einen Skandal um Landraub verwickelt ist.

Ein kürzlich von Oxfam veröffentlichter Bericht enthüllt, dass Coca-Cola Zucker von Bunge bezieht. Bunge jedoch kauft Zuckerrohr von Land, dass den Guarani gestohlen wurde und aus dem Biotreibstoffe, “gefärbt mit indigenem Blut”, produziert werden.

Ein Guarani-Sprecher erklärte gegenüber Survival International: “Coca-Cola muss aufhören, Zucker von Bunge zu kaufen. Während diese Unternehmen Profit machen, müssen wir Hunger, Leid und Tod ertragen.”

Die rund 370-köpfige Guarani-Gemeinde Jata Yvary in Brasiliens Bundesstaat Mato Grosso do Sul hat fast all ihr angestammtes Land an Plantagen verloren, deren Betreiber Zuckerrohr an Bunge verkaufen. Die Gemeinde selbst ist gezwungen auf einem winzigen Flecken Land, umgeben von endlosen Zuckerrohrplantagen, zu leben.

"Coca-Cola bezieht Zucker über einen Lebensmittelkonzern, der in den Konflikt um das Land der Guarani verwickelt ist."
"Coca-Cola bezieht Zucker über einen Lebensmittelkonzern, der in den Konflikt um das Land der Guarani verwickelt ist."
© Survival

Die Guarani leiden unter schweren Gesundheitsproblemen, die von den giftigen Pestiziden der Plantagen verursacht werden, und sie trauern um den Verlust ihres Waldes, in dem sie Essen, Medizin und Obdach fanden.

Arlindo, der Anführer von Jata Yvary, erklärte in einer aufgewühlten Videobotschaft: “Die Farmer haben fast all unseren Wald, unsere Heilpflanzen, Früchte und Rohstoffe zerstört. Sie sprühen Pestizide aus Flugzeugen. Die Kinder bekommen Kopfschmerzen und übergeben sich.”

Sehen Sie Arlindos Videobotschaft:

Die Guarani stehen an vorderster Front der wachsenden Nachfrage nach Biotreibstoffen. Der Großteil ihres Landes wurde von einflussreichen Farmern gestohlen und besetzt, die dort Vieh züchten und Soja und Zuckerrohr anbauen.

Guarani-Anführer werden systematisch angegriffen und ermordet, wenn sie sich für ihre Landrechte einsetzen. Viele Guarani haben sich in der Verzweiflung das Leben genommen. Ihre Selbstmordrate liegt 34-Mal über dem brasilianischen Durchschnitt.

Der Guarani-Anführer Ambrósio Vilhalva, der in dem preisgekrönten Film Birdwatchers eine Hauptrolle spielte, wurde erst vor wenigen Tagen ermordet.

Coca-Cola hatte sich erst kürzlich zu Oxfams Null-Toleranz-Politik für Landraub bekannt und sich verpflichtet, “die Rechte von Gemeinden und traditionellen Völkern auf den Zugang zu Land und natürlichen Ressourcen anzuerkennen und zu schützen”.

Survival International hat Bunge dazu aufgefordert, kein Zuckerrohr mehr vom Land der Guarani zu beziehen. Die Menschenrechtsorganisation hat sich zudem in einem Schreiben an Coca-Cola gewandt und wiederholt von den brasilianischen Behörden gefordert, das Land der Guarani unverzüglich und noch vor der Fußballweltmeisterschaft 2014 zu kartieren.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Multinationale Konzerne sind wahre Meister darin, Kritik mit dem Versprechen auf baldigen Wandel abzuwiegeln. Aber Erklärungen sind wertlos, wenn keine konkreten Handlungen folgen. Wenn Coca-Colas Verpflichtung ernst genommen werden soll, muss das Unternehmen aufhören Zucker von Bunge zu kaufen. Solange dieser Deal weiterläuft, sind Coca-Colas Verpflichtungen gegen Landraub wertlos.”