Hintergrundinformation

Staudämme am Madeira Fluss

Als Teil des „Programms für beschleunigtes Wachstum“ plant die brasilianische Regierung den Bau einer Reihe von Mega-Staudämmen. Im Rahmen dieses Programms soll die Infrastruktur des Landes verbessert, Straßen und Dämme gebaut und so das Wirtschaftswachstum gesteigert werden.

Das Ausmaß dieser Projekte droht große Areale zu zerstören, auf denen zahlreiche indigene Völker leben. Darunter auch einige besonders verletzliche Gruppen von unkontaktierten Indigenen. Diese Menschen sind auf ihr angestammtes Land angewiesen um zu überleben.

Der Jirau und Santo Antonio Staudamm sind bedeutende Beispiele dafür.

Die zwei großen Dämme – Jirau und Santo Antonio – werden derzeit am Madeira Fluss im Westen des Amazonasgebiets in Brasilien gebaut. Die Baukosten werden auf 15 Milliarden US Dollar geschätzt.

Die Bauarbeiten begannen 2008. Der Santo Antonio Damm soll 2011 ans Netz gehen, der Jirau Damm 2012 folgen.

Das Volk der Pirahã wird von den Dämmen am Madeira Fluss betroffen sein.
Das Volk der Pirahã wird von den Dämmen am Madeira Fluss betroffen sein.
© Clive W. Dennis/Survival

Europäische Unternehmen, wie Voith Hydro (Deutschland), Andritz (Österreich), GDF Suez (Frankreich), sowie Banken wie die spanische Banco Santander sind in dem Bauprojekt involviert.

Die brasilianische Behörde für indigene Angelegenheiten, FUNAI, hat Belege dafür, dass die Region, in der die zwei Dämme gebaut werden sollen, die Heimat von unkontaktierten Indigenen ist. Einige von ihnen leben nur 10 km vom Bau des Jirau Damms entfernt.

Ein unlängst von FUNAI veröffentlichter Bericht besagt, dass der Baulärm bereits unkontaktierte Indigene von ihrem angestammten Land vertrieben hat. Sie sind in ein Gebiet geflohen, in dem Minenarbeiter illegal tätig sind. Ein Aufeinandertreffen von Unkontaktierten und Arbeitern könnte Konflikte auslösen.

Pirahã Mann in einem Kanu, Brasilien.
Pirahã Mann in einem Kanu, Brasilien.
© © Clive W. Dennis/Survival

Die unkontaktierten Indigenen haben kaum Abwehrkräfte gegen die Krankheiten, wie Grippe oder Masern, die von den Eindringlingen eingeschleppt werden. Jede Art von Kontakt zwischen Unkontaktierten und Außenstehenden ist extrem gefährlich für die Gesundheit der Indigenen und kann ganze Gruppen auslöschen. Dies ist in der Vergangenheit bereits häufig geschehen.

Der Jirau und Santo Antonia Damm bedrohen außerdem die Existenz von anderen indigenen Völkern am Oberen Madeira Becken. Betroffen sind die Karitiana, Karipuna, Uru-eu-Wau-Wau und Katawixi. Außerdem könnten weitere Gruppen beeinträchtigt werden, darunter die Parintintin, Tenharim, Pirahã, Jiahui, Torá, Apurinã, Mura, Oro Ari, Oro Bom, Cassupá und Salamãi Gemeinschaften.

Wenn die Dammprojekte voranschreiten, werden neue Straßen gebaut werden, die einen Zustrom von Holzarbeitern, Minenarbeitern, Siedlern und Landbesetzern in das Gebiet bringen. Durch die Abholzung des Waldes werden die Jagd- und Fischgründe zerstört, von denen die Indigenen zum Überleben angewiesen sind.

Die gezielte Ausbeutung der natürlichen Rohstoffe des Lebensraums der Indigenen kann leicht zu sozialen Spannungen und Gewaltausschreitungen zwischen ihnen und den Eindringlingen führen.

Das stillstehende Wasser in den Staudamm-Becken ist eine ideale Brutstätte für tödliche Krankheiten wie Malaria, welche bereits häufig in dem Gebiet im Westen des Amazonas vorkommen.

Die indigene Bevölkerung ist so gut wie nicht in die Planung für die Dämme miteinbezogen worden. Sie haben den Projekten nicht zugestimmt und können sich aufgrund mangelnder Informationen nur schwer eine freie Meinung dazu bilden.

Dies verstößt gegen die brasilianische Verfassung und die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation welche Brasilien ratifiziert hat.

Wenn der Damm gebaut wird, was geschieht dann mit der Art, in der die Indigenen leben? Wird uns jemand Nahrung bringen? Nein. Niemand wird uns etwas bringen. Wir sind sehr besorgt.
Valmir Parintintin, Indigenen Anführer

Valmir Parintintin, Anführer der Parintintin Indigenen Gemeinschaften, sagte: “Die Regierung war immer noch nicht bei uns, um mit uns über die Auswirkungen des Damms zu sprechen. Der Fluss ist der Markt und Supermarkt für uns Indigene.”

“Wenn der Damm gebaut wird, was geschieht dann mit der Art, in der die Indigenen leben? Wird uns jemand Nahrung bringen? Nein. Niemand wird uns etwas bringen. Wir sind sehr besorgt.”

Domingos Parintintin sagte: “Wir hoffen, dass das Projekt gestoppt wird, weil es unsere Kinder sein werden, die unter den Auswirkungen leiden. Sie werden nicht länger genügend Fische oder Wild finden, um sich selbst zu ernähren.”

Bitte schreiben Sie einen Brief im Namen der betroffenen Indigenen am Madeira Fluss. Ihr Schreiben macht der brasilianischen Regierung deutlich, dass die Rechte von indigenen Völkern aufrecht erhalten werden müssen.

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