Indigene Völker wie die Baka im südöstlichen Kamerun werden von Anti-Wilderer-Einheiten misshandelt.

Indigene Völker wie die Baka im südöstlichen Kamerun werden von Anti-Wilderer-Einheiten misshandelt.

© Edmond Dounias/Survival

Der Menschenrechtsanwalt Gordon Bennett hat eine vernichtende Rechtsanalyse der Auswirkungen von Strafverfolgung im Wildtierschutz auf indigene Völker in Botswana, Kamerun und Indien vorgelegt. Er veröffentlichte seine Analyse am Freitag bei einem Symposium der Weltnaturschutzunion (IUCN).

Bennett argumentiert in seinem Aufsatz, dass Strafverfolgung zum Wildtierschutz fast immer indigene Gemeinden schädigt, weil die falschen Gesetze von den falschen Personen gegen die falschen Personen durchgesetzt werden. Er führt dafür Beispiele aus Botswana, Kamerun und Indien an.

Das Recht der Kalahari-Buschleute, ihre Nahrung zu jagen, ist ein grundlegendes Menschenrecht, das auch Botswanas Oberstes Gericht bestätigt hat. Dennoch hat Botswanas Präsident Ian Khama jegliche Jagd im Land verboten – ausgenommen bezahlte Trophäenjagd. Buschleute, die des Jagens verdächtigt werden, werden regelmäßig festgenommen, geschlagen und gefoltert.

Jumanda Gakelebone, ein Sprecher der Buschleute, erklärte: „Wir sind noch immer Jäger und Sammler. Wir wollen als Jäger und Sammler anerkannt werden. Wenn man uns sagt wir sollen nicht jagen, bedeutet das, dass wir nicht essen sollen. Wenn man das Jagen verbieten will, muss man uns konsultieren. Ihr macht uns zu Wilderern. Aber für uns war jagen nie wildern. Wir jagen unser Essen.“

Die Buschleute werden von Botswanas Regierung kriminalisiert, weil sie jagen, um ihre Familien zu ernähren.

Die Buschleute werden von Botswanas Regierung kriminalisiert, weil sie jagen, um ihre Familien zu ernähren.

© Philippe Clotuche/Survival

In Indien haben Versuche, den Tiger zu schützen, zu zahllosen illegalen Vertreibungen indigener Völker geführt. In Kamerun wurden Baka-„Pygmäen“ von Anti-Wilderer-Einheiten geschlagen und sie fürchten nun in den Wald zu gehen – mit verheerenden Folgen für ihre Gesundheit, Lebensgrundlage und ihr indigenes Wissen.

Der Menschenrechtsanwalt Gordon Bennett rief Naturschützer dazu auf, einen radikal anderen Ansatz zu verfolgen und die Stimmen indigener Völker anzuhören. Sie sind die „Augen und Ohren ihres Landes“ und ihre Rechte müssen respektiert werden.

Im März 2015 werden sich in Kasane (Botswana) Vertreter von Regierungen und Naturschutzorganisationen zu einer wichtigen Konferenz gegen illegalen Wildtierhandel versammeln. Insbesondere United for Wildlife, ein Zusammenschluss großer Naturschutzorganisationen, wird dafür kritisiert, nicht öffentlich anzuerkennen, dass indigene Subsistenzjäger keine Wilderer sind.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, erklärte: „Indigene und Survival International fordern von den Konferenzteilnehmern in Botswana und von „United for Wildlife“ eine öffentliche Erklärung zu indigener Subsistenzjagd: Indigene Völker sollten nicht kriminalisiert werden, wenn sie jagen, um ihre Familien zu ernähren.“

- Lesen Sie hier den Aufsatz von Gordon Bennett (Rechtsanwalt, UK) in Zusammenarbeit mit Dr. Jo Woodman (Survival International), Jumanda Gakelebone (Angehöriger der Gana, First People of the Kalahari, Botswana), Sankar Pani (Umweltrechtswissenschaftler, Indien), Dr. Jerome Lewis (Extreme Citizen Science Research Group, University College London). (PDF, 60 KB)
- Survival International hat kürzlich die Kampagne „Eure Wildnis, Unser Zuhause“ ins Leben gerufen, die auf Grundlage dieser 5 Prinzipien das Naturschutzmodell kritisiert, das zur Verfolgung indigener Völker führt.
- „Pygmäen“ ist ein Sammelbegriff, der normalerweise unterschiedliche Jäger-und-Sammler-Völker aus dem Kongobecken und im zentralen Afrika bezeichnet. Auch wenn einige Indigene den Begriff als abschätzig ansehen und ihn vermeiden, nutzen ihn andere aus praktischen Gründen und als einfache Art, sich selbst zu beschreiben. Lesen Sie mehr dazu.