Äthiopien: Berichte über „Massaker“ an Hamar

Eine Familie der Hamar sitzt vor ihrem Haus im Omo-Tal.
Eine Familie der Hamar sitzt vor ihrem Haus im Omo-Tal.
© Magda Rakita/Survival

Survival International sind Berichte zugegangen, wonach der gewaltsame Konflikt zwischen Äthiopiens Militär und Viehhaltern vom Volk der Hamar zu Dutzenden von Toten geführt hat.
 
Wie die anderen im unteren Tal des Omo-Flusses lebenden indigenen Völker leiden auch die Hamar unter den Plänen der äthiopischen Regierung, Indigene gegen ihren Willen in Dörfer umzusiedeln.
 
Die Menschen werden ohne ihre Zustimmung in Siedlungen entlang des Straßenrandes vertrieben, während das Weideland ihrer Vorfahren an Investoren verkauft wird, die auf diesem Plantagen errichten.

Dieser Landraub hat in einigen Teilen des unteren Omo-Tales bereits Menschen verhungern lassen.

Die ohnehin schon bestehenden Spannungen in Zusammenhang mit dem Bau eines gigantischen Staudamms haben infolge der Vertreibungen noch zugenommen. Ende Mai sollen Hamar von äthiopischen Soldaten mit Granatwerfern und halbautomatischen Waffen angegriffen worden sein.

Eine von der äthiopischen Regierung verhängte Nachrichtensperre sorgt dafür, dass die genaue Zahl der Todesopfer nicht zu ermitteln ist. Ein Beobachter spricht allerdings von einem „Massaker“.

Hamar, Omo-Tal
Hamar, Omo-Tal

© Survival

Einige Beobachter sehen im Versagen der Zentral-Regierung, die mutmaßliche Vergewaltigung von Hamar-Mädchen durch lokale Regierungsvertreter aufzuklären, und in der Verfolgung von Hamar wegen des Jagens auf ihrem angestammten Land mögliche Gründe für die Eskaltion.
 
Seit Jahren kommt es im unteren Tal des Omo-Flusses neben Vertreibungen zu weiteren schweren Menschenrechtsverletzungen. Zu diesen zählen Prügel, Vergewaltigung und willkürliche Verhaftungen.

Ein Hamar-Flüchtling erklärte gegenüber Survival International: „Die Regierung hat uns klar gemacht, dass wir, falls wir uns nicht beugen, in aller Öffentlichkeit wie Ziegen abgeschlachtet werden.“

Als Antwort auf Druck von Survival International besuchten Äthiopiens internationale Geldgeber im August 2014 das Gebiet. Die Berichte über die Ergebnisse der Untersuchungen sind allerdings noch immer nicht veröffentlicht worden, obwohl Survival die EU und die Regierungen Deutschlands, Großbritanniens und der USA dazu aufgefordert hatte.

Berichte deuten darauf hin, dass sich noch immer Soldaten im unteren Tal des Omo-Flusses befinden, die die Mursi und Bodi, Nachbarn der Hamar, ebenfalls mit Gewalt bedrohen. Ein Indigener, der sich gerade in dem Gebiet aufhält, sagte: „Sie sagen, dass sie uns umbringen werden. Wir weinen derzeit sehr viel. Wir weinen zu uns selbst.“