Mursi im Unteren Omo-Tal am Markttag im Dorf Mursi Hanna, Äthiopien.

Mursi im Unteren Omo-Tal am Markttag im Dorf Mursi Hanna, Äthiopien.

© Greg Lupe/Survival

Letztes Wochenende wurde einer der umstrittensten Dämme der Geschichte fertiggestellt. Der Staudamm „Gibe III“ setzt dem natürlichen Überschwemmungszyklus des Omo-Flusses in Äthiopien ein Ende, auf den 200.000 Indigene direkt und indirekt angewiesen sind.

Experten warnen, dass der Damm auch eine Bedrohung für den Turkana-See in Kenia, den grössten Wüstensee der Welt, darstellt. Dies würde ein Desaster für weitere 300.000 Angehörige indigener Völker, die am Ufer des Sees leben.

Der Damm wurde von dem Bauriesen Salini Impregilo gebaut, gegen den Survival eine offizielle Beschwerde eingereicht hat. Das Verfahren ist noch anhängig. Jetzt werden Pläne geschmiedet, zwei weitere Dämme, den Gibe IV und den Gibe V, weiter flussabwärts zu bauen.

Experten warnen, dass künstliche Überflutungen nicht erprobt sind, wenig Sicherheit bieten und wegen hoher Kosten vermutlich nicht umgesetzt werden.

Experten warnen, dass künstliche Überflutungen nicht erprobt sind, wenig Sicherheit bieten und wegen hoher Kosten vermutlich nicht umgesetzt werden.

© Greg Lupe/Survival

Die äthiopische Regierung sowie die Baufirma Salini versprachen, dass nachgeahmte Überflutungen die natürlichen nun ersetzen würden. In den letzten zwei Jahren wurde jedoch nicht ausreichend Wasser entlassen, um die Lebensgrundlage der dort lebenden Menschen zu sichern. Viele von ihnen sind nun abhängig von Lebensmittelunterstützung, welche ebenfalls nicht regelmässig und in ausreichender Menge geliefert werde.

Ein Betroffener sagte einem Vorstandsmitglied der Organisation International Rivers im November: „Der Fluss bietet uns nicht mehr genug zum Überleben. Mein Volk stehen vor einem großen Problem. Die Lebensmittelunterstützung reicht zum Überleben nicht aus. Der Fluss sinkt immer weiter. Die Krokodile leben noch im Fluss, aber sie haben Probleme. Die Fische haben Probleme ihre Eier zu legen. Es gibt Jahr für Jahr weniger Fisch.”

Kara-Frauen, Unteres Omo-Tal.

Kara-Frauen, Unteres Omo-Tal.
© Eric Lafforgue/Survival

Diese Region ist eine der wichtigsten Orte früher menschlicher Evolution und eine Gegend mit aussergewöhnlicher Biodiversität, mit zwei UNESCO-Welterbestätten und fünf Nationalparks. Der Leiter der kenianischen Naturschutzagentur sagte im März, der Damm würde „einen der schlimmsten Naturkatastrophen auslösen, die man sich nur vorstellen kann.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: „Was wurde dieses Wochenende eingeweiht? Mehr Hunger, Bedrohung, Umweltzerstörung. Experten drängten die Regierung und die Firma Saline jahrelang, Acht zu geben – doch es kümmerte sie nicht. Möglicherweise werden sie versuchen die drohende Hungersnot als Naturkatastrophe darzustellen, aber es ist Leid, welches von ihnen verursacht wurde.”