Brasilien: Das „Harpiye“-Volk und unkontaktierte Nachbarn im Amazonas stehen vor Vernichtung

Die Uru Eu Wau Wau sind bekannt für ihre Mundtattoos aus Genipapo, einer schwarzen Farbe, die aus einer amazonischen Frucht gewonnen wird.

Die Uru Eu Wau Wau sind bekannt für ihre Mundtattoos aus Genipapo, einer schwarzen Farbe, die aus einer amazonischen Frucht gewonnen wird.
© Fiona Watson/Survival

Viehzüchtern und andere Siedler dringen, unterstützt von regionalen Politikern, in das Gebiet eines kürzlich kontaktierten brasilianischen indigenen Volkes ein. In der Region wird dies als „der schlimmste Landübergriff seit Jahrzehnten“ beschrieben, der auch ein benachbartes unkontaktiertes Volk auslöschen könnte.

Die Uru Eu Wau Wau sind bekannt als die „Harpyie“-Menschen, da sie die riesigen Federn der Harpyie-Vögel nutzen, um daraus Jagdpfeile und Kopfschmuck zu machen. Sie nennen ihre unkontaktierten Nachbarn die Jururei – „die Mutigen“.

Wir wissen nur sehr wenig über unkontaktierte Völker, aber wir wissen, dass ganze Gemeinden ausgelöscht werden durch genozidale Gewalt von Außenstehenden, die ihr Land und ihre Ressourcen rauben und Krankheiten wie Grippe oder Masern einschleppen, gegen die sie keine Abwehrkräfte haben. Das Volk der Uru Eu Wau Wau wurde nach dem ersten Kontakt in den 1980ern drastisch dezimiert.

Zerstörung durch Waldbrand in Rôndonia, aus der Luft fotografiert von der brasilianischen NGO Kandinde, nahe der unkontaktierten Indianer und den Uru Eu Wau Wau.

Zerstörung durch Waldbrand in Rôndonia, aus der Luft fotografiert von der brasilianischen NGO Kandinde, nahe der unkontaktierten Indianer und den Uru Eu Wau Wau.

© Kaninde

Die Regierung des Bundesstaates Rôndonia fördert direkt neben dem Gebiet des Volkes seit vielen Jahren ein Besiedlungs-Programm. Nun dringen die Siedler direkt in das Gebiet ein, obwohl ein Teil davon ein Nationalpark ist und drei unkontaktierte Gruppen dort leben. Lokale Landbesitzer und Politiker treiben damit nun eine neue Invasionswelle an.

Luftaufnahmen zeigen wie große Flächen des Landes der Indigenen von Siedlern durch Brände gerodet werden. Außer den verschiedenen indigenen Völkern finden sich in der Region auch einzigartige amazonische Nadelbäume sowie eine unverwechselbare Landschaft aus Wasserfällen, Höhlen und Plateaus. Bedrohten Tierarten wie die Schwarzschulter-Wollbeutelratte, das Riesengürteltier und der Amazonashokko überleben in dieser Umgebung.

Angehörige der Uru Eu Wau Wau schrieben der Bundespolizei am 8. August, die Behörden haben jedoch bisher nichts unternommen. In dem Brief erklärten die Indigenen: „Wir machen uns große Sorgen, da die Invasionen nahe unserer Dörfer stattfinden und das Leben von Frauen, alten Menschen, Kindern und Männern bedrohen… Die Situation ist außerordentlich ernst und die Eindringlinge müssen rasch entfernt werden, bevor Indigene und Eindringlinge durch Konfrontationen innerhalb des indigenen Gebiets sterben.“

Abgeschiedene Dörfer der Uru Eu Wau Wau aus der Luft gesehen, Brasilien

Abgeschiedene Dörfer der Uru Eu Wau Wau aus der Luft gesehen, Brasilien
© Survival

Die Uru Eu Wau Wau wurden 1981 von brasilianischen Regierungsbeamten kontaktiert. Die offizielle politische Strategie war damals, unkontaktierte indigene Völker zum Kontakt zu zwingen. Das führte dazu, dass sie ansteckenden Krankheiten ausgesetzt waren.

Obwohl ihre Landrechte der Volkes 1991 offiziell anerkannt wurden, sind Aktivisten besorgt, dass nicht genug dafür getan wird, ihre äußerst artenreiche Heimat zu schützen. Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften unseres Planeten. Sie stehen vor einer Katastrophe, wenn ihre Landrechte nicht respektiert werden.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte: „Landraub ist das größte Problem, mit dem indigene Völker konfrontiert sind. Weltweit stehlen industrialisierte Gesellschaften in ihrem Profitstreben indigene Gebiete. Es handelt sich dabei um die Fortsetzung der Invasion und des Völkermordes, die so typisch für die europäische Kolonisierung Amerikas und Australiens waren. Die Landrechte unkontaktierter Völker sind unter brasilianischem und internationalem Recht geschützt und müssen respektiert werden, andernfalls wird es schreckliche humanitäre Folgen haben.“