Brasilien: Indigene Völker kämpfen gegen Covid und Bolsonaro

Covid-19 wütet nun neben anderen Krankheiten, wie Malaria, unter den Yanomami, die von den Tausenden Goldgräbern eingeschleppt wurden, die illegal in ihrem Gebiet aktiv sind.

Covid-19 wütet nun neben anderen Krankheiten, wie Malaria, unter den Yanomami, die von den Tausenden Goldgräbern eingeschleppt wurden, die illegal in ihrem Gebiet aktiv sind.
© Pieter Van Eecke/Clin d’Oeil Films

Brasiliens indigene Bevölkerung wird durch eine verheerende zweite Covid-19-Welle massiv bedroht, während Präsident Bolsonaro seine zerstörerische Politik gegen sie vorantreibt.

Die Indigenen-Organisation APIB bestätigte, dass bereits 962 indigene Menschen in Brasilien an dem Virus gestorben sind und insgesamt 48.406 Indigene positiv getestet wurden. In zwei Yanomami-Gemeinden starben im Januar auch zehn Kinder.

Laut dem Dachverband COIAB, der Angehörige indigener Völker aus allen Teilen des brasilianischen Amazonasbecken vertritt, ist die Sterblichkeitsrate bei indigenen Völkern 58% höher als in der Gesamtbevölkerung, während die Infektionsrate sogar 68% höher ist.

In der Stadt Manaus, der Heimat von rund 30.000 Indigenen, ist die Lage sehr ernst. Noch prekärer ist die Situation in abgelegenen Gebieten, die sich weit entfernt von Krankenhäusern und angemessener Gesundheitsversorgung befinden. Wenn das Virus erst einmal die indigenen Gemeinden erreicht, insbesondere die Gebiete der erst kürzlich kontaktierten und unkontaktierten Völker, können die Folgen verheerend sein. Viele Gebiete unkontaktierter Völker wurden bereits von Holzfäller*innen, Bergleuten und Siedler*innen besetzt, die das Virus in die Gemeinden einschleppen.

Der Umgang des Präsidenten Jair Bolsonaro mit der Pandemie hat nationale und internationale Kritik nach sich gezogen und seiner Regierung wurde vorgeworfen, eine „institutionelle Strategie zur Verbreitung des Coronavirus“ zu verfolgen.

Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien.

Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien.
© Agencia Brasil CC-BY-3.0-BR

Bolsonaros indigenenfeindliche Maßnahmen sind gut dokumentiert und kommen einem Genozid an Brasiliens indigenen Völkern gleich. Nachdem er kürzlich die Kontrolle über beide Kammern des brasilianischen Kongresses erlangt hat, hat Bolsonaro seine Prioritäten deutlich gemacht, indem er versucht hat, ein umstrittenes Bergbaugesetz durchzusetzen, das die Beseitigung indigener Rechte in Brasilien weiter vorantreiben würde.

Während Impfprogramme im ganzen Land angelaufen sind, gab FUNAI, die Behörde für indigene Angelegenheiten, laut APIB bis Dezember 2020 nur 52% ihres Budgets, das zur Bekämpfung der Pandemie vorgesehen ist, aus.

Daher sind indigene Gemeinden größtenteils auf sich alleine gestellt und gezwungen, ihren Schutz selbst in die Hand zu nehmen, um sich vor Covid-19 zu schützen. Antônio Guajajára, der Anführer der Gemeinde Maçaranduba im Bundesstaat Maranhão, sagte: „Es ist kein Zufall, dass in viele indigene Gebiete eingedrungen wird, was zur Folge hat, dass sich die Krankheit immer weiter ausbreitet. Das Letzte, was in einer Zeit wie dieser passieren sollte, ist, dass die brasilianische Regierung diese groß angelegten Invasionen in noch größerem Umfang unterstützt… aber das tut sie, was die Lage noch schlimmer macht… Wir haben Maßnahmen an den Grenzen unseres Gebiets ergriffen… Dank unserer Arbeit, unser Dorf und unser Land zu schützen, ist die Krankheit nicht in unser Gebiet eingedrungen.“