Da habt ihr’s!

In der ganzen Welt verlieren indigene Völker durch „Entwicklung“ ihr Land, ihre Eigenständigkeit und ihren Stolz. Ihnen wird alles genommen. Survivals satirischer Kurzfilm, illustriert von Oren Ginzburg und erzählt vom Schauspieler Jan van Weyde, schildert, wie „Entwicklung“ indigene Völker zerstören kann.

Da habt ihr's! spielt sich in diesem Moment in Indien, Äthiopien, Kanada und vielen anderen Ländern ab - mit verheerenden Folgen.

Die äthiopische Regierung siedelt 200.0000 Indigene, die bisher eigenständig lebten, gewaltsam um. Tausende bleiben ohne Land, Vieh und somit ohne Existenzgrundlage zurück. Sie sagen, dass sie nur noch „darauf warten zu sterben“. Der Premierminister, dessen Land auch mit deutscher Entwicklungshilfe unterstützt wird und das für seine Hungersnöte berüchtigt ist, rechtfertigt die Umsiedlung damit, dass den indigenen Völkern nun ein „modernes Leben“ ermöglicht werde.

Die „Empfänger“ dieser „Entwicklung“ werden festgenommen, geschlagen und vergewaltigt, falls sie sich dagegen wehren. Ihre Getreidevorräte werden zerstört, damit sie ihr Land und ihre Lebensweise aufgeben. Das Ergebnis wird eine humanitäre Katastrophe sein.

Drei Generationen überblicken den Omo-Fluss in Äthiopien.


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Glücklich und lebendig



Eine Dongria-Frau sammelt Nahrungsmittel.

Studien zeigen, dass die reichsten Milliardäre nicht glücklicher sind, als ein durchschnittlicher Massai-Hirte. Dennoch betrachten viele Regierungen die autarke Lebensweise indigener Völker als „rückständig“ und beschämend. Viele werden zudem von dem Wunsch getrieben, die Kontrolle über indigenes Land zu erlangen.

Deshalb werden indigene Völker gezwungen, den Vorstellungen anderer von „Fortschritt“ zu folgen, üblicherweise indem sie sesshafte Farmer und somit Teil der Marktwirtschaft des Mainstreams werden.

Die Dongria Kondh aus Indien bauen mehr als 100 Getreidesorten an und ernten wildwachsende Pflanzen, die ihnen eine ganzjährige und reichhaltige Ernährung bieten – selbst in Trockenzeiten. Die Dongria lehnten Versuche ab, an die Mainstream-Gesellschaft assimiliert zu werden.

„Es ist schon verrückt. Da kommen diese Leute von außen und wollen uns erklären, was „Entwicklung“ ist. Aber ist Entwicklung denn möglich, wenn man die Umwelt zerstört, die uns mit Nahrung, Wasser und Würde versorgt? Man muss bezahlen, um ein Bad nehmen zu können, und man muss für Nahrungsmittel bezahlen, ja sogar, um Wasser zu trinken. Auf unserem Land müssen wir nicht Wasser kaufen wie ihr, und wir können überall kostenlos essen.“ –Lodu Sikaka, Dongria Kondh


Zwang zur Veränderung


Indigene Völker, wie die Penan aus Borneo (Malaysia), werden in Siedlungen gedrängt, die ihnen fremd sind. Ihnen wird gesagt, sie sollen „moderne“ Landwirtschaft praktizieren, obwohl sie über Generationen reiches Wissens über ihre Umgebung gesammelt haben, das sie selbst und die Biodiversität in ihren Wäldern erhalten hat. Sie werden vertrieben, um den Weg für riesige Staudämme freizumachen. Diese Maßnahmen werden mit der Haltung gerechtfertigt, dass der Übergang vom Jagen und Sammeln zur Landwirtschaft „Fortschritt“ bedeutet.

Penan protestieren gegen die Zerstörung ihres Waldes und ihrer Lebensweise.

„Außenstehende, die hierher kommen, behaupten immerzu, dass sie Fortschritt bringen. Aber alles was sie bringen sind leere Versprechen. Wofür wir wirklich kämpfen ist unser Land. Mehr als alles andere brauchen wir das Land.“ – Arau, Penan, Sarawak


Verheerende Folgen



Viele Guarani in Brasilien müssen am Straßenrand leben. Nach dem Raub ihres Landes haben zahlreiche von ihnen Selbstmord begangen, auch Kinder im Alter von nur neun Jahren.

Wenn indigene Völker gezwungen werden ihre traditionellen Anbaumethoden sowie das Jagen und Sammeln aufzugeben, verlieren sie ihre Eigenständigkeit. Um sich zu versorgen, werden sie abhängig von Märkten, deren Funktionsweise sie nicht kennen und in denen sie ausgebeutet werden.

Indigene Völker, die dieser Art von „Entwicklung“ ausgesetzt sind, erleben den Übergang von einer unabhängigen, gut funktionierenden Gemeinschaften mit Kontrolle über ihr eigenes Land zu einer Gemeinde, die am Rande der Gesellschaft ums Überleben kämpft. Konfrontiert mit diesen Belastungen und der Entwurzelung, brechen indigene Gesellschaften oft zusammen, was zu Sucht, Suizid und chronischen Krankheiten führt.

„Ich frage Sie, was das für eine Entwicklung sein soll, wenn die Menschen kürzer leben als vorher? Sie stecken sich mit HIV an und bekommen AIDS. Unsere Kinder werden in der Schule geschlagen und gehen nicht mehr hin. Manche von ihnen werden Prostituierte. Sie dürfen nicht jagen. Sie prügeln sich, weil sie gelangweilt und betrunken sind. Sie beginnen sich umzubringen. So etwas haben wir vorher noch nie gesehen. Es tut weh das zu sagen. Ist das 'Entwicklung'?“ – Roy Sesana, Gana , Botswana


Land und Wahl


Das bedeutet nicht, dass indigene Völker keinen Wandel wollen: Wie alle Gesellschaften entwickeln und ändern sie sich stetig. Aber sie müssen die Richtung dieser Veränderung selbst wählen und steuern können und sie nicht von Außenstehenden aufgedrängt bekommen. Der mit Abstand wichtigste Aspekt für das Wohlergehen indigener Völker ist die Achtung ihrer Landrechte. Sobald ihnen ihr Land garantiert ist, sind sie in einer guten Position, um eigene Entscheidungen über ihre Lebensweise und ihre „Entwicklung“ treffen zu können.

Eine Frau vom Volk der Yanomami, Brasilien.

Es ist nicht so, dass die Yanomami keinen Fortschritt wollen, oder andere Dinge, die weiße Menschen haben. Sie wollen selbst entscheiden anstatt Veränderungen aufgezwungen zu bekommen, als ob es egal wäre, ob sie es wollen oder nicht." – Davi Yanomami, Brasilien.



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