Indigene verklagen Regierung wegen fehlenden Schutzes für Unkontaktierte

Die Matsés leben seit Generationen als Jäger und Sammler im Unkontaktierten Amazonas-Grenzland.
Die Matsés leben seit Generationen als Jäger und Sammler im Unkontaktierten Amazonas-Grenzland.

© Christopher Pillitz

In Peru verklagt eine indigene Organisation die Regierung. Sie wirft ihr vor unkontaktierter Völker nicht vor Eindringlingen und Ölerkundungen geschützt zu haben.

Der peruanische Indigenen-Verband AIDESEP zieht gegen Perus Kultusministerium vor Gericht, das seiner gesetzlichen Pflicht nicht nachkomme, fünf indigene Schutzgebiete zu schaffen, bzw. diese zu kartieren. Den hier lebenden stark bedrohten unkontaktierten Völkern versage der peruanische Staat den Schutz.

2007 hatte Peru dem kanadischen Ölunternehmen Pacific E&P die Genehmigung erteilt, Erkundungen in Yavari Tapiche vorzunehmen, wo ein indigenes Schutzgebiet eingerichtet werden sollte. AIDESEP fordert dessen Schaffung seit 14 Jahren und Survival International führt die globale Kampagne für das Recht unkontaktierter Völker an, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden.

Aktivist*innen befürchten, dass die unkontaktierten Indigenen in der Gegend ausgelöscht werden könnten durch gewalttätige Eindringlinge und durch eingeschleppte Krankheiten, gegen die sie keine Abwehrkräfte besitzen. Angestellte des Ölunternehmens könnten in Kontakt mit den Indigenen kommen. Außerdem werden im Rahmen der Erkundung Tausende von unterirdischen Sprengungen durchgeführt, die die Jagdbeute der Indigenen verscheuchen.

Der Kontakt erwies sich für die Matsés als Katastrophe, die ansteckende Krankheiten und Gewalt in ihr Gebiet brachte.
Der Kontakt erwies sich für die Matsés als Katastrophe, die ansteckende Krankheiten und Gewalt in ihr Gebiet brachte.

© Survival International

Das Volk der Matsés, das in der Nähe des geplanten Schutzgebietes lebt, kritisiert das Versagen von Perus Regierung, den Ölerkundungen einen Riegel vorzuschieben. Kürzlich erklärte ein Mann auf einem Treffen des indigenen Volkes: „Ich will nicht, dass meine Kinder durch das Öl zerstört werden (…) Deshalb setzen wir uns zur Wehr (…) und sind als Matsés zusammengekommen. Die Ölunternehmen (…) beschimpfen uns, aber wir werden nicht stumm zusehen, wie sie uns auf unserem Land ausbeuten. Wenn es sein muss, werden wir im Krieg gegen das Öl sterben.“

Auch ORPIO, eine weitere indigene Organisation, klagt wegen der Bedrohung durch die Ölerkundung.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, prangert an:„Unkontaktierte Völker sind die bedrohtesten Gesellschaften unseres Planeten, doch der peruanische Staat hält die Profite von Ölunternehmen offenbar für wichtiger als die Menschenrechte oder das Land und Leben der Indigenen. Dass die Regierung bei der Schaffung der indigenen Schutzgebiete versagt, ist nicht nur eine Katastrophe für die Umwelt, sondern könnte ganze Völker für immer auslöschen.“

Seit sie in Kontakt gerieten, kämpfen die Matsés gegen schwere Krankheiten wie Malaria und eingeschleppte Erkrankungen, mit deren Heilung sie keine Erfahrung haben.
Seit sie in Kontakt gerieten, kämpfen die Matsés gegen schwere Krankheiten wie Malaria und eingeschleppte Erkrankungen, mit deren Heilung sie keine Erfahrung haben.

© Survival International

Hintergrundinformation:
- AIDESEP ist Perus Organisation für die im Amazonasgebiet lebenden Indigenen. Sie setzt sich für die Menschenrechte der indigenen Peruaner ein.
- AIDESEP hat bei Limas Oberstem Gerichtshof Klage eingereicht mit Unterstützung der Rechtshilfeorganisation IDL.
- Perus Kultusministerium ist verantwortlich für die Kartierung und den Schutz indigener Gebiete. Peruanisches Recht schützt eigentlich das Land unkontaktierter Völker, aber der Schutz ist oft nicht angemessen oder fehlt ganz.
- Peru hat Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über eingeborene und in Stämmen lebende Völker ratifiziert und hat sich dabei verpflichtet, die Menschen- und Landrechte indigener Völker zu achten.
- Zu den bedrohten Völkern im Unkontaktierten Amazonas-Grenzland, zählen unkontaktierte Angehörige der Matsés.
- Zahlreiche Matsés gerieten 1969 gegen ihren Willen in Kontakt mit Missionaren aus den USA, nachdem es in der Gegend zu gewaltsamen Zusammenstößen mit Siedlern gekommen war. Der Kontakt bedeutete für die Indigenen Gewalt und Krankheit, viele Angehörige der Matsés starben.
- Die fünf geplanten indigenen Schutzgebiete heißen: Yavari Tapiche, Yavari Mirim, Sierra del Divisor Occidental, Napo Tigre und Cacataibo.

 Im Grenzgebiet von Brasilien und Peru leben auf einer großen Fläche so viele unkontaktierte Völker, wie in dieser Konzentration sonst nirgends auf der Erde.
Im Grenzgebiet von Brasilien und Peru leben auf einer großen Fläche so viele unkontaktierte Völker, wie in dieser Konzentration sonst nirgends auf der Erde.

© Survival International

Wir wissen nur sehr wenig über unkontaktierte Völker. Doch wir wissen, dass es weltweit mehr als einhundert von ihnen gibt. Und wir wissen, dass ganze Gemeinden durch die völkermörderische Gewalt Außenstehender ausgelöscht werden. Diese Eindringlinge rauben nicht nur ihr Land und ihre Ressourcen, sondern schleppen auch Krankheiten wie Grippe oder Masern ein, gegen die Unkontaktierte keine Abwehrkräfte besitzen.

Unkontaktierte Völker sind weder rückständig noch sind sie primitive Überreste aus einer entfernten Vergangenheit. Sie sind unsere Zeitgenossen und ein sehr wichtiger Teil der menschlichen Vielfalt. Wo ihre Rechte geachtet werden, können sie weiterhin gut und erfolgreich leben.

Ihr Wissen ist unersetzlich und hat sich über Jahrtausende entwickelt. Sie sind die besten Wächter der Natur. Und Belege zeigen, dass indigene Gebiete die beste Barriere gegen Abholzung darstellen.