Hintergrundinformation

Central Kalahari Game Reserve, Botswana

Das Central Kalahari Game Reserve in Botswana wurde 1961 als „Ort der Zuflucht“ für die Buschleute gegründet.

Doch die Kalahari-Buschleute werden von ihrem Land vertrieben, angeblich um den Schutz der Natur zu gewährleisten – obwohl innerhalb des Reservates sogar Diamanten gefördert werden.

Ausgehungert

Die Buschleute-Völker im Central Kalahari Game Reserve sind die letzten, die größtenteils von der Jagd leben. Sie wurden im Namen des „Naturschutzes“ illegal von ihrem Land vertrieben. Obwohl die Buschleute ein historisches Gerichtsverfahren gewannen, um wieder auf ihr Land zurückkehren zu können, versucht die Regierung sie auszuhungern, um doch noch zu triumphieren.

Xoroxloo Duxee starb 2005 an Wassermangel und Hunger, nachdem die Regierung den Zugang zu ihrem Reservat blockierte und bewaffnete Männer die Buschleute am jagen, sammeln und Wasser holen hinderten.
Xoroxloo Duxee starb 2005 an Wassermangel und Hunger, nachdem die Regierung den Zugang zu ihrem Reservat blockierte und bewaffnete Männer die Buschleute am jagen, sammeln und Wasser holen hinderten.
© Survival

Regierungsbeamte haben zugegeben, dass die Buschleute nicht mit Schusswaffen jagen und es gibt keine Belege dafür, dass ihre Jagdmethoden nicht nachhaltig wären.

Trotzdem entschied Präsident Khama 2014 entgegen der Verfassung, ein nationales Jagdverbot zu verhängen; internationale Naturschutzgruppen haben ihn dafür mit Lob überhäuft. Doch private Wildtierfarmen sind von dem Verbot befreit. Das bedeutet, dass die Buschleute „wildern“ wenn sie ihre Nahrung jagen – und mit Haft, Schlägen und sogar Folter rechnen müssen – während zahlende Großwildjäger willkommen sind.

Die Buschleute, als Jäger und Sammler auf die Jagd angewiesen, werden so durch Hunger von ihrem Land vertrieben. Ohne die Möglichkeit sich im Reservat zu ernähren, müssen sie immer wieder in die Umsiedlungslager der Regierung zurückkehren – sie nennen sie „Orte des Todes“.

Ein Hinweisschild untersagt Buschleuten am Eingang zum Central Kalahari Game Reserve in Botswana die Jagd (1989).
Ein Hinweisschild untersagt Buschleuten am Eingang zum Central Kalahari Game Reserve in Botswana die Jagd (1989).
© Survival International

Wie Sie helfen können

In einem letzten Versuch zu überleben, ziehen die Buschleute nun erneut vor Gericht. Diesmal kämpfen sie darum, dass die Regierung ihr Recht anerkennt, im Reservat jagen zu dürfen.

Survival arbeitet als Partner mit den Buschleuten, um sie in ihrem Kampf zu unterstützen. Wir geben ihnen eine Plattform, von der aus sie der Welt von den erlebten Misshandlungen berichten können. Wir üben Druck auf Regierungen und die Naturschutz-Industrie aus, um zu versuchen, das illegale Jagdverbot aufzuheben.

Wir brauchen Ihre Energie und Ihren Enthusiasmus um erfolgreich zu sein. Bitte erheben Sie Ihre Stimme für das Recht der Buschleute, auf ihrem angestammten Land ihre Nahrung zu jagen.




Haft, Schläge, Folter und Tod

Der Rassismus in Botswanas Regierungs-Elite bedeutet in der Regel, dass die Buschleute wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden und ihre Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Survival prangert die Folter von Buschleuten öffentlich an, die durch Mitarbeiter der Wildtierbehörde seit den 1990er Jahren begangen wurden.

2012 folterten Parkwächter zwei Buschleute, denen sie vorwarfen eine Antilope getötet zu haben. Eines der Opfer, Nkemetse Motsoko, verlor das Bewusstsein nachdem Polizisten ihn gewürgt und lebendig begraben hatten. Er erklärte gegenüber Survival International: „Ich weiß nicht wie lange ich bewusstlos war. Ich dachte ich müsse sterben.“

Als Paramilitärs 2014 Mogolodi Moeti angriffen, drohten sie ihm, dass sie ein Exempel an ihm statuieren würden, um andere davon zu „überzeugen“, nicht in ihre Heimat zurückzukehren.

Sie haben mich wie einen Ball getreten und mich von einer Person zur nächsten geschlagen. Sie hielten meine Schienbeine gegen den Pfahl. Fünf Personen schlugen auf meinen Oberschenkel ein.

Marama Phologo
Marama Phologo
© Survival International

Als sie mich am Donnerstag freiließen, hatte ich schon zwei Tage keine Wasser mehr bekommen. Mein Körper schmerzt und mein Auge funktioniert nicht. Wenn eine Person auf mich zuläuft, sieht es aus wie sieben Menschen. Mein Genick tut sehr weh, dort wurde ich getreten. Diese Menschen sollen mir die Elenantilope zeigen, die ich doch nicht getötet habe. Sie sollen beweisen, dass ich es getan habe.

Marama C Phologo.

Survival untersucht diese Verbrechen und legt den Vereinten Nationen und anderen internationalen Foren Beweise vor. Wir unterstützen auch rechtliche Vertretung. Doch wir sind auf Sie angewiesen. Wir benötigen Ihre Spenden, um diese dringliche und schreckliche humanitäre Krise zu bekämpfen. Bitte unterstützen Sie uns.





Zwei Wildhüter fesselten meine Hände hinter meinem Rücken und warfen mich auf ihren Land Rover. Als ich dort lag, sprangen sie mit ihren Stiefeln auf meinen Rücken. Meine Tochter weinte und weinte, sie dachte ich werde getötet. Sie hatte ein zehn Monate altes Baby und die Wildhüter stießen sie beide zu Boden.

Gakeitsiwe Gaorapelwe
Gakeitsiwe Gaorapelwe
© Survival

Die Wildhüter brachten uns für sechs Tage fort. Sie befahlen, dass wir uns nackt in einer Reihe vor dem Land Rover aufstellen. Wir wurden kopfüber gefesselt und uns wurden Handschellen angelegt, sodass wir mit den Füßen am Frontschutzbügel des Land Rovers angebunden waren. Die Regierung zeigte mir das Ende meines Lebens; sie haben mich getötet.

Gakeitsiwe Gaorapelwe.

Lügen der Regierung

Das Central Kalahari Game Reserve liegt mitten im größten Diamantenvorkommen der Erde. Jahrelang behauptete die Regierung, dass die Vertreibung der Buschleute dem Naturschutz diene und nichts mir Bergbau zu tun habe, doch 2014 eröffnete auf ihrem Land, mitten im Reservat, eine milliardenschwere Diamantenmine.

„Naturschutz“, so scheint es, war nur ein Vorwand, um die Buschleute loszuwerden.

Ihre Lebensweise ist problemlos mit dem Schutz der Natur vereinbar: Die Buschleute sind, mehr als jeder andere, daran interessiert die Wildtiere zu schützen, von denen sie leben.

Seit Menschengedenken haben Buschleute-Völker diese Region bewohnt. Sie wissen, wie man sich um die Umwelt sorgt. Doch warum wurden sie aus dem Naturschutzprozess ausgeschlossen?


Verrat der Naturschutz-Industrie

Die Vertreibung der Buschleute in Botswana hat sich unter Präsident Khama fortgesetzt
Die Vertreibung der Buschleute in Botswana hat sich unter Präsident Khama fortgesetzt
© Survival

Nicht eine einzige Naturschutzorganisation erhob sich für die Rechte der Buschleute, als diese von ihrem Land vertrieben wurden. Stattdessen ehrt die Naturschutz-Industrie Botswanas Präsident Khama. Er wurde beispielsweise gebeten eine prestigereiche Veranstaltung für United for Wildlife, eine neue Kampagne gegen Wilderei, auszurichten. Die Kampagne wird von Großbritanniens Prinz William geleitet und ist eine Koalition der einflussreichsten Naturschutzorganisationen der Welt.

Khama ist auch im Vorstand der Organisation Conservation International, die seine grausame Spur aus Menschenrechtsverletzungen übersieht. Ebenso wie den Diamantenabbau und die Fracking-Bemühungen auf dem Land der Buschleute im Schutzgebiet.

Zwangsvertreibungen von Buschleuten aus dem Reservat haben nichts mit Umweltschutz zu tun – aber sehr wohl bereiten sie den Weg für die Plünderung des Landes der Buschleute durch Rohstoffunternehmen. Warum erhält Präsident Khama noch immer Preise für seine ‚Naturschutzstrategie’? Es ist ein Skandal, dass Conservation International einen Mann in seinem Vorstand hält, der das zweitgrößte Wildtierreservat der Welt für Fracking freigibt und gleichzeitig die Buschleute im Namen des Naturschutzes aus ihrer Heimat vertreibt.

Stephen Corry, Direktor von Survival International.

Bitte schreiben Sie an United for Wildlife und bitten Sie darum, die Rechte der Buschleute und anderer indigener Völker öffentlich anzuerkennen.