Brasilien: Renommierter Experte von unkontaktiertem Volk getötet; ihr angestammtes Land bedroht

Rieli Franciscato war der Koordinator des FUNAI-Teams zum Schutz des Landes unkontaktierter Völker in Rondonia, einschließlich des Gebiets der Uru Eu Wau Wau.

Rieli Franciscato war der Koordinator des FUNAI-Teams zum Schutz des Landes unkontaktierter Völker in Rondonia, einschließlich des Gebiets der Uru Eu Wau Wau.

© Rieli Franciscato

Einer der bekanntesten Sertanistas Brasiliens, der sich unermüdlich für den Schutz unkontaktierter Völker einsetzte, ist von einer Gruppe Unkontaktierter getötet worden, deren Land besetzt und zerstört wird.

Sertanistas sind Mitarbeitende der brasilianischen Behörden, die vor Ort das Land unkontaktierter Völker vor Außenstehenden schützen.

Rieli Franciscato war der Koordinator eines FUNAI-Teams (Brasiliens Behörde für indigene Angelegenheiten), das die Gebiete unkontaktierter Völker im Bundesstaat Rondonia schützen soll. Er war an die Grenze des Territoriums der indigenen Uru Eu Wau Wau gerufen worden, da dort in den letzten Monaten mehrere Unkontaktierte aufgetaucht waren.

Der größte Teil des Waldes, der das Reservat umgibt, ist zerstört und von Viehzüchtern und Holzfällern besetzt worden, die auch das Reservat selbst ins Visier nehmen. Letztes Jahr wurden zahlreiche Brände außerhalb und innerhalb des Reservats gelegt. Dieses Jahr haben die Viehzüchter damit gedroht, weitere Teile des Gebiets niederzubrennen.

Satellitenfoto. Das Gebiet der Uru Eu Wau Wau liegt wie eine Insel in einem Meer der Zerstörung. Das Reservat selbst wird nun von Holzfällern und Viehzüchtern überfallen.

Satellitenfoto. Das Gebiet der Uru Eu Wau Wau liegt wie eine Insel in einem Meer der Zerstörung. Das Reservat selbst wird nun von Holzfällern und Viehzüchtern überfallen.

© USGS / NASA Landsat, produced by Earthrise.

Die Tötung von Rieli und das Auftauchen einer unkontaktierten Gruppe am Rande der Farmen sind mit ziemlicher Sicherheit eine Reaktion auf den immensen Druck, dem sie und ihr Wald ausgesetzt sind.

Rieli Franciscato (Mitte) hatte sich viele Jahre lang für den Schutz der Gebiete unkontaktierter Völker eingesetzt.

Rieli Franciscato (Mitte) hatte sich viele Jahre lang für den Schutz der Gebiete unkontaktierter Völker eingesetzt.
© Reproduction/Twitter

Die Forscherin und Survival-Mitarbeiterin Sarah Shenker sagte heute: „Rielis Tod ist ein tragischer und unermesslicher Verlust für die unkontaktierten Völker, für den Wald und für den Kampf gegen einen Genozid an indigenen Völkern in Brasilien.”

„Jahrzehntelang hat er sich geweigert, die gewalttätige Gier hinzunehmen, die den Amazonas-Regenwald und seine besten Hüter vernichtet. Er arbeitete unermüdlich daran, das Land der unkontaktierten Völker vor Außenstehenden zu schützen. Er widmete sein Leben der Arbeit an vorderster Front, um die illegalen Invasionen von Holzfällern, Viehzüchtern und Bergarbeitern zu bekämpfen, welche die bedrohtesten Gesellschaften auf dem Planeten auslöschen könnten. Er ließ sich auch nicht von Bolsonaros Kriegserklärung gegen indigene Völker oder der Kürzung des FUNAI-Budgets aufhalten.“

„Die Unkontaktierten könnten Rieli, einen ihrer engsten Verbündeten, fälschlicherweise mit einem ihrer vielen Feinde verwechselt haben. Sie stehen am Abgrund und für sie gibt es nur eine Lösung: Ihr Territorium vor allen Eindringlingen zu schützen, damit sie überleben können. Das Letzte, was sich Rieli wünschen würde, wäre, dass die Regierung und die illegalen Eindringlinge seinen Tod als Vorwand nutzen, um das Gebiet der Uru Eu Wau Wau weiter zu zerstören oder Kontakt mit den unkontaktierten Völkern zu erzwingen. Das wäre fatal, und daher stößt jeder Versuch der Kontaktaufnahme bei diesen indigenen Völkern und ihren Verbündeten weltweit auf sofortigen Widerstand.“