Indien: „Freiwillige Umsiedlungen“ aus Tigerreservat waren in Wirklichkeit Zwangsräumungen

1 Juni 2022

Jenu Kuruba-Frau, die aus dem Nagarhole-Nationalpark vertrieben wurde. © Survival International

Die Jenu Kuruba, die für das Sammeln von Honig bekannt sind, verlangen Rückkehr in den Nagarhole-Nationalpark

Indigene Völker, die im berühmten Nagarhole-Nationalpark leben und die nach Angaben der Behörden freiwillig aus dem Reservat umgesiedelt wurden, sind in Wirklichkeit gewaltsam vertrieben worden, wie eine Untersuchung von Fridays for Future Karnataka und anderen ergab.

Die gewaltsamen Vertreibungen werden hauptverantwortlich von der indischen Forstbehörde durchgeführt, aber die Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society (WCS) unterstützt sie. Die Organisation besteht darauf, dass es sich um „freiwillige Umsiedlungen“ handelt, von der die indigene Bevölkerung, die laut WCS in ständiger Angst vor den Wildtieren im Wald lebte, profitiert.

Für den Bericht befragten die Autor*innen viele Angehörige der Jenu Kuruba. Sie sagten aus, dass sie nicht wegwollten, aber bedroht und belästigt wurden, unter anderem durch die Zerstörung ihrer Ernten durch die Forstbehörde.

Das Gebiet, das heute den Nagarhole-Nationalpark umfasst, wurde 1983 auf dem angestammten Land der Jenu Kuruba und weiterer indigener Völker geschaffen. Er ist eines der beliebtesten Ziele für Tigersafaris in Indien.

Die Erkenntnise der Untersuchung:

- Viele Jenu Kuruba fordern, in ihre ursprünglichen Dörfer zurückzukehren, die sich jetzt innerhalb des Nationalparks befinden.
- Durch die Vertreibung wurden sie ihres Rechts beraubt, ihre Gottheiten im Wald zu verehren. Die Forstbehörde hindert sie daran, zum Beten in den Wald zurückzukehren.
- Die von der Regierung gemachten Zusagen hinsichtlich Entschädigungen für die Umsiedlung wurden nicht eingehalten. Viele Jenu Kuruba kämpfen in den zugewiesenen Lagern ums Überleben und die meisten haben nicht einmal die drei Hektar Land bekommen, die ihnen versprochen wurden.

Ganguamma, der 2018 vertrieben wurde, sagte: „Das ist unsere einzige Forderung: Lasst uns zurück. Wir brauchen nichts von euch. Wir können alle allein im Wald leben, so wie wir es seit Generationen getan haben. Tiger und Elefanten greifen uns nicht an, da sie unsere eigene Familie sind. Wir waren glücklicher sowie gesünder und haben uns in Nagarhole wohlgefühlt.“

Ein anderer Jenu Kuruba-Mann, JD Jeyappa, sagte den Forschenden: „Wir sind in den Wäldern aufgewachsen und haben ihn mit den wilden Tieren geteilt, also haben wir weder Angst vor ihnen noch zerstören sie unsere Feldfrüchte. Es sind die Leute vom Forstamt, vor denen wir Angst haben, und sie sind es auch, die unsere Pflanzen zerstören.“

Ein älterer Jenu Kuruba-Mann, Basava Raju, der 2014 in ein 100 km vom Tigerreservat entferntes Gebiet „umgesiedelt“ wurde, sagte: „Das sind keine Umsiedlungslager, das sind Lager, um uns, unsere Wurzeln im Wald, unsere Kultur und unsere heiligen Gottheiten zu töten.“

Die Autor*innen des Berichts fordern:

- Einen vollständigen Stopp der anhaltenden Bemühungen, weitere Jenu Kuruba zu vertreiben.
- Diejenigen Jenu Kuruba, die in ihre Heimatdörfer zurückkehren wollen, sollten dies tun dürfen.
- Die Anerkennung der Waldrechte der Jenu Kuruba.

Sophie Grig von Survival International sagte: „Dieser Bericht enthüllt die Realität des Festungsnaturschutzes, der das Leben indigener Völker in Afrika und Asien zerstört. Die Jenu Kuruba wurden illegal vertrieben und sind gezwungen, ein elendes Leben in Umsiedlungslagern zu führen. Sogar ihr verfassungsmäßiges Recht auf Religionsausübung wird ihnen verweigert. Viele haben einfach die Nase voll und pochen auf ihr Recht, in ihre Dörfer im Wald zurückzukehren. Dieses koloniale Modell des Naturschutzes ist katastrophal für die Menschen sowie den Planeten und muss gestoppt werden.“

Für weitere Informationen und Bildmaterial kontaktieren Sie bitte:

Niklas Ennen
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