Wettlauf gegen die Zeit: Demarkation des Kawahiva-Gebiets beginnt im brasilianischen Amazonas

7 Mai 2026

© FUNAI
Jair Candor, der langjährige Leiter der FUNAI-Einheit für den Schutz der Kawahiva, während der physischen Abgrenzung ihres angestammten Gebiets.

Mehr als 25 Jahre nachdem die Existenz des unkontaktierten indigenen Volkes, bekannt als die Kawahiva do Rio Pardo, offiziell bestätigt wurde, hat diese Woche die Demarkierung ihres Gebiets in Brasilien begonnen. Survival International drängt darauf, dass die Demarkation – nach jahrelangen Verzögerungen – angesichts von zwei unmittelbaren Bedrohungen unverzüglich abgeschlossen werden muss:

  1. Der Ausbau einer Straße entlang der südlichen Grenze ihres Territoriums könnte – wie so oft im Amazonasgebiet – Landraub und Abholzung beschleunigen. Eindringlinge, Holzfällende und Viehzüchtende sind bereits in benachbarte Gebiete eingedrungen, haben Tausende Hektar Wald zerstört und Farmen eingerichtet. Eine asphaltierte und ausgebaute Straße würde diese Entwicklung weiter vorantreiben.
  2. Auch die für Oktober angesetzten Parlamentswahlen in Brasilien bergen ein Risiko, da Flávio Bolsonaro zum Präsidenten gewählt werden könnte. Der Sohn von Jair Bolsonaro hat angekündigt, im Falle eines Wahlsieges keine neuen indigenen Schutzgebiete im Bundesstaat Mato Grosso auszuweisen. Daher ist es so bedeutend für die Kawahiva, dass die Demarkation bis zum Januar 2027 abgeschlossen wird.
     

Zusätzlich birgt der derzeit anlaufende Wahlkampf Gefahren: Indigene Gebiete werden zunehmend Ziel von Landraub, da Politiker*innen Invasionen dulden oder sogar fördern, um Unterstützung für ihre Wahlkampagnen zu gewinnen.

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Die Direktorin von Survival International, Caroline Pearce, erklärte: „Jahrelange Verzögerungen, politischer Kuhhandel und strategisch eingesetzte Gerichtsverfahren haben ihr Territorium ungeschützt gelassen, während der umliegende Wald verwüstet wurde.

Die Demarkation ihres Landes ist ein entscheidender Schritt hin zu Gerechtigkeit und zur Sicherung ihres angestammten Rechts, in Sicherheit und selbstbestimmt auf ihrem eigenen Land zu leben. Doch jetzt ist es ein Wettlauf gegen die Zeit – der Prozess muss schnell abgeschlossen werden, damit die Kawahiva und ihr Wald nicht endgültig zerstört werden.“

Jair Candor, ein bekannter FUNAI-Beamte, der für den Schutz des Gebiets zuständig ist, sagte diese Woche gegenüber O Globo: „Mir fehlen die Worte. Ich bin seit 26 Jahren hier und habe all diese Zeit auf diesen Moment gewartet. Für mich ist das von unschätzbarem Wert. Sie wissen von meinem Einsatz und meinem Kampf, um diese Gruppe zu schützen. Das war mein größter Traum – in den Ruhestand zu gehen und die Verantwortung in dem Wissen übergeben zu können, dass diese Situation geklärt ist. Wir haben den Krieg noch nicht gewonnen, aber zumindest eine weitere Schlacht.“

Nach Abschluss der physischen Demarkation ist ein Präsidialdekret der letzte Schritt zur offiziellen Einrichtung des indigenen Territoriums.

 

Geschichte der Kawahiva-Kampagne

  • Die Kawahiva do Rio Pardo sind ein nomadisches Jäger*innen und Sammler*innen-Volk, das vollständig vom Wald abhängig ist und Kontakt mit der Außenwelt bewusst ablehnt. Die brasilianische Behörde für indigene Angelegenheiten FUNAI bestätigte 1999 die Existenz unkontaktierter Völker in diesem Gebiet. 2013 veröffentlichte sie außerdem einzigartiges Filmmaterial, das neun Kawahiva im Wald zeigt.
  • 2016 erklärte das Justizministerium nach intensiver Kampagnenarbeit von Survival International und Partnerorganisationen sowie unter dem Druck tausender Unterstützer*innen weltweit das Gebiet offiziell zum indigenen Territorium. Der Demarkationsprozess wurde jedoch seither durch starken Widerstand lokaler Politiker*innen und Agrarunternehmen blockiert.
  • Seit Jahrzehnten setzt sich Survival International gemeinsam mit indigenen Organisationen wie COIAB, FEPOIMT und dem Indian Law Resource Center sowie Partnerorganisationen wie OPAN und OPI für die Landrechte der Kawahiva ein.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Niklas Ennen

+49 (0)30 7229 3108

[email protected]

Kawahiva

Indigenes Volk

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