Eine Familie aus den Chittagong Hill Tracts, wo Todessfälle, Folter und Vergewaltigungen von indigenen Menschen an der Tagesordnung sind.

Eine Familie aus den Chittagong Hill Tracts, wo Todessfälle, Folter und Vergewaltigungen von indigenen Menschen an der Tagesordnung sind.
© Survival

Ein elfjähriges Chakma-Mädchen wurde in Bangladesch von einem Siedler vergewaltigt und ermordet.

Am 9. Mai wurden Sujata Chakma und ihr jüngerer Bruder überfallen, als sie Kühe grasen ließen.

Es wurde zwar ein Tatverdächtiger festgenommen, aber die Einheimischen haben wenig Hoffnung, dass er seiner gerechten Strafe zugeführt werden wird.

Zwischen Januar und Mai diesen Jahres wurden mindestens sechs Jumma -Mädchen und -Frauen vergewaltigt. Rina Dewan von der Hill Women’s Federation-Organisation sagte: “Die Siedler kommen ohne Strafe davon; nicht ein einziger Vergewaltiger wurde je vor Gericht gebracht und deswegen wird dieses Verbrechen immer wieder begangen.”

Die Regierung von Bangladesch hat Hunderttausende Siedler in die Chittagong Hill Tracts-Provinz geschickt, wo elf indigene Gruppen leben, die gemeinsam Jumma gennant werden. Die Siedler haben viele der indigenen Jumma, die auch noch der aggressiven Unterdrückung durch die Armee ausgesetzt sind, vertrieben. Mädchen und Frauen tragen ein besonders hohes Risiko, weil sie häufig sexuell belästigt werden, bis hin zur brutalen Vergewaltigung.

Die Übergriffe hören nicht auf und verlieren auch nicht an Grausamkeit und die Behörden haben scheinbar kein Interesse daran, die Täter zu bestrafen.
Nun gibt es weitere Hinweise auf Versuche, die Rechte der indigenen Jumma zu untergraben.

Ein vertrauliches Rundschreiben aus dem politischen Flügel des Innenministeriums tauchte vor Kurzem auf. Dieses Dokument wurde vor dem Internationalen Tag der Indigenen Völker der Vereinten Nationen am 9. August an Abgeordnete verteilt.
Es hielt die Regierungsmitglieder dazu an, nicht der offiziellen Politik zu widersprechen, die besagt, dass es keine indigene Bevölkerung in Bangladesch gäbe, lediglich “einige Wenige” und “kleine ethnische Gruppen”. Weiter hieß es in dem Schreiben, dass von der Regierung an jenem Tage keinerlei Unterstützung ausgehen solle und dass Maßnahmen ergriffen werden sollten, um zu beweisen, dass es keine indigenen Menschen in Bangladesch gäbe.

Das Rundschreiben kommt im Kielwasser der umstrittenen Verfassungsänderungen von Juni 2011, nach denen die ca. 50-60 indigenen Völker, welche in Bangladesch leben, nicht als solche erkannt werden, weil die Definition nicht den UN-Richtlinien entspricht.

Stattdessen werden sie als “ethnische Gruppen, Sekten und Gemeinschaften” bezeichnet. Die Regierung hat angekündigt, alle Hinweise auf “indigen” oder “Adivasi” aus Regierungsunterlagen, Gesetzestexten und sogar Schulbüchern entfernen zu lassen.

Dass sich die Regierung ausgerechnet am Internationalen Tag der Indigenen Völker auf den Begriff “indigen” stürzt, ist umso seltsamer, wenn man bedenkt, dass die Premierministerin selbst in den letzten Jahren ihre Unterstützung zugesichert hatte. In dem Wahlprogramm ihrer Partei tauchte das Wort “indigen” (Adivasi) mehrfach auf.

Survival Internationals Direktor Stephen Corry sagte heute: "Statt sich darum zu sorgen, ob Minister versehentlich den Begriff “indigen” verwenden, sollte die Regierung von Bangladesch lieber sicherstellen, dass die weiblichen Jumma vor Vergewaltigungen und Ermordungen sicher sind! Es ist ein Skandal, wie selten solche Freveltaten vor Gericht kommen – es wird allerhöchste Zeit, dass die Regierung ihre Prioritäten zugunsten der Jumma setzt."

Hinweis an die Redaktion:
Das Originaldokument kann hier gelesen werden.