Information zu den übrigen Völkern der Andamanen-Inseln 6 Januar 2005

Außer den Jarawa leben noch drei andere Stämme auf den Andamanen: die "Great Andamanese", die Onge und die Sentinelesen. Wie ihre Nachbarn, die Jarawa, nimmt man auch von diesen drei Stämmen an, dass sie aus Afrika vor über 60,000 Jahren zu den Andamanen-Inseln gelangt sind. Da sich die vier Stämme sprachlich untereinander nicht verstehen, liegt die Vermutung nahe, dass sie  seit dieser Zeit keinen Kontakt miteinander hatten. Es gibt jedoch Ähnlichkeiten in ihrem Lebensstil – alle sind Jäger und Sammler in den Wäldern und sie fischen in den Küstengewässern.

Dennoch erging es jedem der Stämme anders, seit ihre Inseln vor 150 Jahren durch die Briten erstmals kolonisiert wurden:


Great Andamanese

‘Ich denke, was uns geschehen ist, wird auch den Jarawa geschehen.'
Lichu, eine Frau des Great Andamanese Stammes.

Es hat sich heraus gestellt, dass sich die Kolonisierung bei allen vier Stämmen am verheerendsten für die Great Andamanese ausgewirkt hat. Als die Briten auf den Inseln ankamen, zählte ihr Volk 5,000 Menschen; nur 41 davon haben überlebt. Hunderte der Great Andamanese wurden bei Zusammenstössen mit britischen Siedlern getötet: Sie versuchten, ihr Territorium gegen die Eindringlinge zu verteidigen. Die Briten veränderten später ihre Taktik und richteten ein so genanntes 'Andaman Home' ein, wo sie gefangene Andamanesen internierten. In diesen 'home' starben viele weitere Stammesangehörige durch Krankheiten und Misshandlungen. Von 150 Babies, die dort geboren wurden, wurde keines älter als zwei jahre. 1970 wurden die verbliebenen Great Andamanese von den indischen Behörden zur winzigen Insel Srait gebracht. Dort sind sie inzwischen vollkommen abhängig von der Regierung, was die Zuteilung von Essen, Unterkünften und Kleidung angeht. Alkoholmissbrauch, oft gefördert durch eine nachlässige Haltung der Regierungsvertreter, ist unter den überlebenden Great Andamanese weit verbreitet.  


Onge

 ‘Ich glaube nicht, dass ich heiraten können werde, denn es gibt keine Onge-Mädchen mehr, die man heiraten könnte. Mein Volk könnte aussterben, denn bald wird es keine Babies mehr geben.'
Junger Onge Mann, Dugong Creek.

Auch die Onge wurden durch den Konatkt mit Briten und Indern dezimiert – ihre Bevölkerungszahl verringerte sich von 670 im Jahre 1900 bis auf rund 100 heute. Die Indische Regierung versuchte die Onge zu zwingen, auf einer Plantage ihrer Insel 'Little Andaman' zu arbeiten, jedoch ohne Erfolg. Heute sind die Onge genau wie die Great Andamanese weitgehend abhängig von Zuwendungen der Regierung. Little Andaman ist inzwischen auch die Heimat indischer Siedler; weite Teile der Insel wurden abgeolzt. Die Möglichkeit, auf Schweinejagd zu gehen, ist von großer Bedeutung für die Onge: Ihr Brauch sieht vor, dass Männer nicht heiraten können, bevor sie nicht ein Wildschwein erlegt haben. Jetzt beklagen die Onge, dass Eindringlinge von außen ihre Wildschweine bejagen, was die ohnehin schon niedrige Geburtenrate der Onge noch weiter sinken lässt. Survival setzt sich dafür ein, dass ihr Land vor Eindringlingen geschützt wird.


Sentilensesen

Die Sentinelesen leben auf ihrer eigenen kleinen Insel, North Sentinel, und verweigern noch immer jeglichen Kontakt mit der Außenwelt. Sie greifen jeden an, der sich ihnen nähert. Sie leben in langgebauten Gemeinschaftshütten, in denen sich mehrere Feurstellen befinden. Wie die Onge benutzen auch sie Auslegerkanus, um sich in den Gewässern nahe ihrer Insel fort zu bewegen. Man nimmt an, dass es noch zwischen 50 und 200 von ihnen gibt. Die indische Regierung hat einige vergebliche Versuche unternommen, einen friedlichen Kontakt zu diesem Volk herzustellen. Kontakt mit den Sentinelesen würde für diese mit großer Wahrscheinlichkeit fatale Folgen haben. Durch ihre Isolation sind sie sehr verletzbar, was Immunität gegen Krankheiten angeht. Hinzu kommt, dass Fischwilderer in den Küstengewässern nahe des Jarawa-Reservates bereits äusserst aktiv waren und nun beginnen, sich für die Gewässer der Insel North Sentinel zu interessieren. Survival drängt bei den Verwaltungsbehörden der Andaman- Inseln darauf, von weiteren Kontaktversuchen zu den Sentinelesen abzusehen und dem illegalen Abfischen der Inselgewässer ein Ende zu bereiten.

Mehr Informationen erhalten Sie von Survival Deutschland; per Tel.: ++49 (0)30 29002372 oder per Email: info@survival-international.de

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