‘Rückständig’: Indigene wehren sich gegen BBC-Show 14 Dezember 2012

"Die TV-Sendung stellte den ersten Kontakt der Ayoreo Ibore und Parojnai (siehe Bild) mit Außenstehenden im Jahr 1998 nach."
"Die TV-Sendung stellte den ersten Kontakt der Ayoreo Ibore und Parojnai (siehe Bild) mit Außenstehenden im Jahr 1998 nach."
© Survival

Die Ayoreo, ein indigenes Volk in Paraguay, das in einer bekannten BBC-Serie als rückständig beschrieben wurde, hat sich jetzt gegen die Darstellung gewehrt.

In der Sendung History of the World wurde der erste Kontakt einiger Ayoreo in Paraguay mit Außenstehenden 1998 nachgestellt. Der Moderator Andrew Marr verglich diesen Kontakt mit “der plötzlichen Konfrontation früher Menschen mit der modernen Menschheit” und beschrieb ihn als den Moment, in dem die Ayoreo “dem 20. Jahrhundert gegenübertraten”.

Die falsche und schädigende Behauptung, dass das indigene Volk im Kern so lebt wie prähistorische Menschen es vor Tausenden von Jahren taten, hat die Ayoreo erschüttert.

In einer Erklärung haben die Ayoreo ihre Lebensweise verteidigt: "Wir haben gehört, dass einige cojñone [weiße Menschen, wörtlich “seltsame Menschen”] sagen, dass wir und unsere Verwandten, die noch im Wald leben, in der Vergangenheit leben, dass wir nicht modern sind, dass wir rückständig sind."

“Doch wir, die Ayoreo-Totobiegosode, leben wie wir es wollen. Unsere Kultur hat ihren eigenen Weg eingeschlagen. Die von uns, die cojñone kennen, wissen wie sie leben und was sie unter ‘Fortschritt’ verstehen. Und wir werden weiterhin als Ayoreo leben. "

“Wir sind alle modern, weil wir [heute] als Ayoreo existieren, genau wie die cojñone [heute] existieren.”

In der TV-Sendung wird der Kontakt 1998 als eine “zufällige Begegnung” beschrieben. Tatsächlich jedoch waren die Ayoreo durch Bulldozer aus ihrer Heimat im Wald vertrieben worden, ein Prozess der noch heute andauert.

"Landraub hat die Heimat der Ayoreo zerstört und zwingt auch unkontaktierte Indianer von ihrem Land zu fliehen."
"Landraub hat die Heimat der Ayoreo zerstört und zwingt auch unkontaktierte Indianer von ihrem Land zu fliehen."
© Survival

Die Menschenrechtsorganisation Survival International hat sich ebenfalls in einem Brief an die BBC gewandt, da die Sendung in direktem Widerspruch zum Kodex des Senders steht, in dem es heißt: “Sorgfalt ist auch notwendig, um eine Verwechslung zu vermeiden zwischen einem Volk, das nicht industrialisiert lebt, mit einem das nicht Teil der modernen Welt oder des 21. Jahrhunderts ist.”

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Es ist unentschuldbar, dass eine so prominente Sendung solche Vorurteile darstellt. Ihre Beschreibung legt nahe, dass die Ayoreo wie die ersten Menschen leben und daher in der evolutionären Entwicklung weiter zurückliegen, rückständig oder primitiv sind. Diese Sprache wird seit Jahrhunderten genutzt, um die Zerstörung des Landes indigener Völker und den Raub ihrer Gebiete und Ressourcen zu rechtfertigen. Es ist eine Schande, dass ein öffentlicher Sender solch diskriminierende Sprache nutzen kann.”

“Diese Sprache diskriminiert nicht nur, sie ist auch falsch”, erklärte Corry weiter. “Die Ayoreo leben nicht annähernd so wie die ersten Menschen. Die Ayoreo haben seit Jahrtausenden eine ganze Reihe weitreichender Anpassungen und Veränderungen durchlebt. Nur weil die Ayoreo Jäger und Sammler sind, müssen sie so leben wie wir es einst taten? Es gibt absolut keine Belege, um eine solche Argumentation zu unterstützen, die einfach unsinnig ist.”

Lesen Sie hier, wie die Ayoreo-Frau Ibore selbst den ersten Kontakt erlebte »

 

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