Guatemala: Ex-Diktator wegen Völkermord verurteilt 16 Mai 2013

"Tausende von Indigenen wurden in Guatemala während der Militärdiktatur von José Efrain Ríos Montt gefoltert oder ermordet."
"Tausende von Indigenen wurden in Guatemala während der Militärdiktatur von José Efrain Ríos Montt gefoltert oder ermordet."

© Survival International

Am 21. Mai aktualisiert: Guatemalas Verfassungsgerichtshof hat Ríos Montts Verurteilung aus verfahrenstechnischen Gründen aufgehoben. Das Gericht sagte, dass das Strafverfahren zum Stand des 19. Aprils zurückgesetzt werden müsse und von dem Punkt neu beginnen solle – an diesem Tag wurde Ríos Montts Anwalt kurz vom Gerichtssaal verwiesen, nachdem er dem Richter vorgeworfen hatte, voreingenommen zu sein. Unzählige Aussagen werden nun erneut angehört werden müssen.


Ein ehemaliger General, der in Guatemala in den 1980er Jahren ein Terrorregime anführte, ist wegen Völkermordes verurteilt worden. Unter der Militärdiktatur von José Efrain Ríos Montt wurden rund 200.000 Menschen – fast alle Angehörige der indigenen Bevölkerung Guatemalas – ermordet oder sie verschwanden spurlos.

Als der General 1982 die Macht ergriff, versprach er, die „wahre Demokratie“ in einem Land wiederherzustellen, in dem bereits seit 1960 ein brutaler Bürgerkrieg tobte. Linke Guerilleros griffen das Militärregime von ihren Basen in den ländlichen Regionen Guatemalas aus an.

Ríos Montt reagierte mit dem Befehl zu einer neuen Militäroffensive gegen angebliche Guerilla-Hochburgen im Hochland. Mindestens 100.000 Indigene, von denen die meisten Maya sprachen, flohen nach Mexiko. Währenddessen wurden Tausende indigener Männer, Frauen und Kinder im Bergland im Nordwesten Guatemalas gefoltert oder ermordet, ihre Dörfer und die Ernte zerstört, die Wasserquellen vergiftet und die Wälder niedergebrannt.

1983 veröffentlichte Survival den Bericht „Zeuge eines Völkermords“ („Witness to genocide“), der auf Interviews mit guatemaltekischen Flüchtlingen im Grenzgebiet zu Mexiko basierte. Die in dem Bericht gesammelten Zeugenaussagen geben einen grauenhaften Einblick in die Schrecken, denen zu dieser Zeit Hunderte von Dörfern ausgesetzt waren. Die Survival-Forscher interviewten zum Beispiel eine 30-jährige Frau aus der Provinz Huehuetenango.

Hier die Stelle aus dem Bericht: “Am 6. Mai 1982 erschienen etwa hundert Soldaten in ihrem Dorf und umstellten dieses. Als Militärs waren sie an ihren Tarnanzügen und den Pistolen zu erkennen. Sie nahmen den Dorfbewohnern ihre Kleidung und ihr Geld weg, ihre Häuser wurden abgebrannt. Auf viele wurde eingehackt, die Menschen wurden geschlagen und erschossen. Die Frau allein wurde aus 25 Metern Entfernung Zeuge davon, wie Soldaten 15 Menschen ermordeten. Sie selbst wurde vergewaltigt. Ihr Ehemann und die Brüder wurden im Haus umgebracht. Kurz danach floh die Frau nach Mexiko.“

Ríos Montt ist jetzt zu 80 Jahren Haft verurteilt worden. Die Vorsitzende Richterin Yassmin Barrios erklärte, der Ex-Diktator habe gewusst, was geschehe und der Gewalt keinen Einhalt geboten, obwohl er über die Macht hierfür verfügt habe. Die Anwälte von Ríos Montt haben angekündigt, Berufung gegen das Urteil einzulegen.

 

Nachrichtenbericht teilen

 

Abonnieren

Hier können Sie sich eintragen, wenn Sie eine monatliche E-Mail mit Neuigkeiten über indigene Völker erhalten möchten:

Abonnieren Sie unsere Newsfeeds:

 

oder folgen Sie uns im Netz:

News-Archiv