20 Jahre nach Yanomami-Massaker: Überlebende besorgt

"Überlebende des Haximu-Massakers, bei dem Goldgräber 16 Yanomami töteten, halten Urnen mit der Asche ihrer Angehörigen. "
"Überlebende des Haximu-Massakers, bei dem Goldgräber 16 Yanomami töteten, halten Urnen mit der Asche ihrer Angehörigen. "
© C Zacquini/ Survival

Überlebende eines grausamen Massakers, bei dem 16 Yanomami von Goldgräbern ermordet wurden, zeigen sich 20 Jahre danach, angesichts der noch immer andauernden Präsenz von illegalen Goldgräbern auf ihrem Gebiet, besorgt.

Das Massaker in der Yanomami-Gemeinde Haximu im Amazonasgebiet von Venezuela wurde 1993 von 22 Goldgräbern durchgeführt. Bei dem brutalen Angriff schossen die Schürfer auf Frauen, Kinder und Alte. Ein Baby wurde mit einer Machete getötet.

Marisa und Leida Yanomami, Überlebende des Massakers, erklärten in einem seltenen Interview: “Die Goldgräber töteten unsere Brüder und Schwestern und auch unseren Vater mit Macheten. Einige wurden mit Schusswaffen getötet. […] Wir können nicht viel darüber sprechen, denn es macht uns sehr betroffen. Wenn wir von dem Massaker sprechen, gedenken wir unseren Vater.”

Auch 20 Jahre nach dem Massaker arbeiten in den Gebieten der Yanomami in Brasilien und Venezuela noch immer illegal Goldgräber. Sie verschmutzen die Flüsse mit Quecksilber, zerstören den Wald und auch Übergriffe auf die Yanomami gehen weiter, obwohl die brasilianischen Behörden eine Operation gegen die Goldschürfer in dem Gebiet durchführen.

"Tausende illegaler Goldgräber arbeiten noch immer auf dem Gebiet der Yanomami, verschmutzen die Gewässer und zerstören den Wald."
"Tausende illegaler Goldgräber arbeiten noch immer auf dem Gebiet der Yanomami, verschmutzen die Gewässer und zerstören den Wald."
© Survival

In Venezuela fürchten die Yanomami ein großflächiges Eindringen auf ihr angestammtes Land, seit der chinesische Staatskonzern CITIC die Bodenschätze des Landes erkunden, auf Karten festhalten und katalogisieren soll. Viele der Mineralien liegen in indigenen Gebieten.

COIAM, ein Netzwerk indigener Organisationen im Amazonasgebiet, lehnt CITICs Pläne entschieden ab und erklärte: “Wir bitten die nationale Regierung diese Projekte dringend zu überarbeiten und sie angesichts der potenziell zerstörerischen Folgen für die Umwelt und sozio-kulturelle Aspekte nicht auf indigenen Territorien und Gemeinden zu erlauben. Das Leben und das physische und kulturelle Überleben folgender Generationen indigener Völker hängt vom angemessenen Schutz ihrer Gewohnheiten und ihres Landes ab.”

In Brasilien setzen sich die Yanomami entschlossen gegen den Entwurf für ein neues Bergbaugesetz ein, der derzeit im Kongress diskutiert wird. Sollte er genehmigt werden, würde das Gesetz die Erschließung des Yanomami-Gebietes und anderer indigener Territorien für großflächigen Bergbau erlauben und zusätzliche Eindringlinge in ihre Gebiete bringen.

Fünf der Täter des Haximu-Massakers wurden wegen Völkermordes verurteilt. Das Urteil wurde als bahnbrechend und historisch gewürdigt. Inzwischen muss jedoch nur noch einer der Bergarbeiter eine Haftstrafe absitzen. Einer der Männer, der einen Teil seiner Strafe absaß, wurde im letzten Jahr bei einer Operation im Yanomami-Gebiet aufgegriffen, wo er erneut illegal Gold schürfte.

"Nach dem brutalen Angriff auf die Yanomami zündeten die Goldgräber das Shabono (Gemeinschaftshaus) in Haximu an."
"Nach dem brutalen Angriff auf die Yanomami zündeten die Goldgräber das Shabono (Gemeinschaftshaus) in Haximu an."

© Oscar Márquez/ Venezuelan Interministerial Commission on Haximu

Davi Kopenawa, ein Sprecher der Yanomami, erklärte gegenüber der Menschenrechtsorganisation Survival International: “Ich habe Haximu niemals vergessen. Die Goldgräber töteten 16 Yanomami und die gleichen Goldgräber kamen wieder […] Wir waren entsetzt, weil die Goldgräber nie bestraft wurden und nicht leiden mussten, wie wir es taten.”

Nach dem Massaker wurden mehrere brasilianisch-venezolanische Kommissionen eingerichtet, darunter eine, die illegalen Bergbau beobachten und dagegen Maßnahmen ergreifen soll. Doch diese Kommission scheint seit Jahren nicht mehr aktiv zu sein. Survival International hat an die Regierungen beider Länder geschrieben und sie aufgefordert, ihre Vereinbarungen zur Kontrolle illegalen Bergbaus umzusetzen und das Yanomami-Gebiet zu schützen.

Die Yanomami zählen über 30.000 Angehörige und sind das größte relativ abgeschieden lebende indigene Volk in Südamerika. Sie leben in der Grenzregion zwischen Brasilien und Venezuela. Ein Ansturm illegaler Goldschürfer kostete viele Yanomami in den 1980er Jahren das Leben, als jeder fünfte Yanomami in Brasilien durch gewaltsame Angriffe oder eingeschleppte Krankheiten starb.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute: “Brasilien und Venezuela erlauben heute noch immer, dass illegale Goldgräber innerhalb des Yanomami-Gebietes arbeiten, obwohl sie um die Gräuel wissen, die die Schürfer verursacht haben. Brasilien wird bald die Welt zur Fussballweltmeisterschaft und zu Olympia begrüßen – doch kann die Regierung überhaupt Gesetze in ihren eigenen Grenzen durchsetzen?”

Hinweis an die Redaktion
- Lesen Sie hier die vollständigen Aussagen der Überlebenden des Haximu-Massakers
- Laden Sie hier die vollständige Erklärung von COIAM in Spanisch (69KB, PDF) oder in englischer Übersetzung (66 KB, PDF) herunter.