UN-Bericht: Wildhüter wildern selbst

Der Wildhüter Mpaé Désiré, wurde 2015 von Baka beschuldigt sie zu schlagen. 2016 wurde er wegen Verwicklungen in illegalen Wildtierhandel festgenommen.
Der Wildhüter Mpaé Désiré, wurde 2015 von Baka beschuldigt sie zu schlagen. 2016 wurde er wegen Verwicklungen in illegalen Wildtierhandel festgenommen.

© Facebook

Einem neuen Bericht der Vereinten Nationen zufolge werden Straftaten in Zusammenhang mit Wildtieren in vielen Teilen der Welt vor allem von korrupten Beamten begangen, statt von Terror-Organisationen oder indigenen Völkern, wie häufig behauptet.

Die Ergebnisse des Berichts fallen zusammen mit zahlreichen Festnahmen von Forstbeamten in Afrika und Asien. Die Sorge nimmt zu, dass es sich um eine weltweite „Epidemie“ handelt: bewaffnete Wildhüter, die eigentlich gefährdete Arten schützen sollen, machen sich selbst der Wilderei und Korruption schuldig.

Kürzlich wurden in Kamerun der Wildhüter Mpaé Désiré und ein hochrangiger Polizist verhaftet. Gegen sie besteht der Verdacht, dass sie in den illegalen Handel mit Elfenbein verwickelt sind, der auf dem angestammten Land der Baka-„Pygmäen“ und anderer Regenwald-Völker betrieben wird. Mitglieder der Baka beschuldigen Mpaé, Angehörige ihres Volkes zusammengeschlagen und eines ihrer Waldlager in Brand gesteckt zu haben, unter dem Vorwand, sie betrieben Wilderei.

In diesem Teil Kameruns finanziert der World Wildlife Fund (WWF) mindestens seit dem Jahr 2000 Wildhüter, obwohl es Berichte gibt, wonach einige von ihnen indigene Jäger festnehmen, schlagen und foltern.

2013 erklärte ein Baka gegenüber Survival International: „Wildhüter haben immer wieder Leoparden mit geöffneten Sardinendosen geködert, um diese dann zu jagen und ihnen das Fell abzuziehen.“

Ein anderer Indigener erzählte: „Die Wildhüter wollen niemanden im Wald haben, um sicherzustellen, dass niemand die Schüsse hören kann, wenn sie wildern.“

In einem ähnlichen Fall wurden zuletzt vier Mitarbeiter in einem Nationalpark in Indien festgenommen, da sie in Wilderei verwickelt waren. Ihre Beute war das gefährdete Panzernashorn, das in dem für Wilderei berüchtigten Kaziranga-Nationalpark lebt. In diesem sind Wildhüter gehalten, sofort auf mögliche Wilderer zu schießen. 62 Menschen wurden so innerhalb von nur neun Jahren getötet.

In dem für seine Tiger bekannten Pench-Nationalpark in Zentral-Indien wurde Berichten zufolge der Wildhüter Vipin Varmiya festgenommen, da er eine Tigerin und ihre beiden Jungen getötet habe.

Ein Tiger, der im Pench-Nationalpark in Indien mutmaßlich von einem Parkwächter getötet wurde.
Ein Tiger, der im Pench-Nationalpark in Indien mutmaßlich von einem Parkwächter getötet wurde.
© Survival

Ein kürzlich erschienener Bericht der Brookings Institution bestätigte, dass es großen Naturschutzorganisationen nicht gelingt, den wahren Wilderern das Handwerk zu legen – Kriminelle, die sich mit korrupten Beamten zusammentäten. Berichte über eine Verbindung zwischen Korruption und Wildtier-Straftaten gibt es auch für Tansania, Südafrika, Kenia, Simbabwe, Uganda und Indonesien.

Die Verwicklung bewaffneter Wildhüter wirft die Frage auf, ob es ratsam ist, zum Schutz von Flora und Fauna auf zunehmende Militarisierung , Gewalt und Einschüchterung zu setzen. In vielen Teilen der Welt hat bewaffneter Naturschutz zu Gewalt gegen die heimischen indigenen Völker geführt, unter anderem in Kamerun und Indien, wo Hinrichtungen an Ort und Stelle im Namen des Naturschutzes zunehmen.

Im Februar diesen Jahres reichte Survival International eine OECD-Beschwerde gegen den World Wildlife Fund ein. Dieser beteilige sich an der Finanzierung repressiver und häufig gewalttätiger Naturschutzprojekte im Südosten Kameruns, statt gegen die wahren Wilderer vorzugehen. Wer die besten Verbündeten der Umwelt verfolgt, statt entschieden die systemischen Probleme anzupacken, der schadet dem Naturschutz.

Survival-Direktor Stephen Corry prangert an: „Die Antwort des Naturschutzes auf die Wilderei besteht darin, die heimischen Indigenen anzuklagen, wenn diese auf die Jagd gehen, um ihre Familien zu ernähren; die Politik eines Erschießens an Ort und Stelle zu unterstützen; und Terroristen der Wilderei zu bezichtigen. Dies alles funktioniert nicht, es schadet dem Naturschutz. Die wahren Wilderer sind jene Kriminellen, zu denen auch Naturschützer zählen, die sich mit korrupten Beamten zusammentun. Indem die großen Naturschutzorganisationen zu Partnern von Industrie und Tourismus werden, schaden sie den besten Verbündeten der Umwelt, den indigenen Völkern. Diese sind von ihrer Umgebung seit Jahrtausenden abhängig und wissen, wie man mit ihr umgeht. Indigene sollten daher an der Spitze der Umweltbewegung stehen. Sie wissen, wer die wahren Wilderer sind, sie können ihr Land vor dem Holzeinschlag schützen, sie sichern die Biodiversität. Indigene verstehen es besser als alle anderen, sich um ihre Umwelt zu kümmern.“

Neusten Berichten zufolge ist Wildhüter Mpaé Désiré aus dem Gewahrsam entlassen worden und wartet nun auf seinen Prozess.