Weltwassertag: Globale Entrüstung über äthiopischen Staudamm

21 März 2011

Die Kwegu sind für ihr Überleben komplett auf den Omo angewiesen. © Survival

Diese Seite wurde 2011 erstellt und enthält möglicherweise Formulierungen, die wir heute nicht mehr verwenden würden.

Fast 400 Organisationen haben eine Petition gegen Afrikas höchsten Staudamm unterzeichnet, die zum Weltwassertag am 22. März äthiopischen Botschaften in Europa und den USA übergeben werden soll.

Mindestens acht indigene Völker in Äthiopien und weitere 300.000 Menschen an Kenias Turkana-See, sind vom Bau des Staudamms Gibe III bedroht. Kopien der Petition sollen in Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Großbritannien und den USA übergeben werden.

Der Staudamm wird die natürlichen Überflutungszyklen des Omo-Flusses zerstören, und ist nach Angaben der äthiopischen Regierung bereits zu 40 Prozent fertig gestellt. Die Zyklen sind Grundlage für den Landbau der indigenen Völker im Omo-Tal. Obwohl die Regierung daran festhält, dass eine „künstliche Überflutung" das Problem lösen wird, enthüllte die Bauleitung des Staudamms vergangenes Jahr Pläne, denen zufolge die Indigenen „nach einer Übergangszeit" vom „Überschwemmungsfeldbau zu moderneren [sic] Formen der Landwirtschaft wechseln" sollen.

Ein erzwungener „Wechsel" dieser Art wird mit höchster Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen haben und das Ende der bereits unzureichenden „künstlichen Überflutung" bedeuten, ohne alternative Gewährleistungen für das Überleben der betroffenen Menschen zu beinhalten.

„Wir leben vom Fisch, er ist wie unser Vieh. Wenn die Überschwemmungen des Omo ausbleiben, werden wir sterben," sagte ein Mitglieder der indigenen Kwegu.

Die äthiopische Regierung hat zudem 180.000 Hektar Land im Omo-Tal für landwirtschaftliche Investitionen gekennzeichnet. Teile davon liegen im Gebiet der Nyangatom, Karo und Mursi Völker.

Die indigene Bevölkerung wurde weder zu dem Bau des Staudamms, dem „Wechsel" ihrer Existenzgrundlage noch zur Verpachtung ihres Landes an ausländische Investoren befragt. Dies verletzt die Vorschriften der äthiopischen Verfassung.

Die Europäische Investitionsbank und die Afrikanische Entwicklungsbank haben sich gegen eine Finanzierung des Staudamms entschieden. Die Industrie- und Handelsbank von China und die chinesische Exim Bank finanzieren jeweils Teile des Projektes. Äthiopien ist zudem auf der Suche nach weiteren Geldgebern. Die italienische Regierung prüft noch eine Finanzierung des Staudamms, während Deutschland Äthiopien zuletzt Entwicklungshilfe in Höhe von 96 Millionen Euro (2009-2011) zugesagt hat.

Survival International, International Rivers, die Kampagne zur Reform der Weltbank, die Counterbalance Coaltition und Friends of Lake Turkana, haben gemeinsam die Petition ins Leben gerufen. Sie fordert die äthiopische Regierung dazu auf, den Bau von Gibe III zu suspendieren, bis die freie, vorherige und in Kenntnis der Sachlage erteile Zustimmung der betroffenen Völker zu dem Projekt eingeholt wurde.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: „Wenn die Regierung das Wasser der Völker im Omo-Tal aufstaut und ihr Land an Außenstehende verteilt, werden diese Völker nicht überleben. Die Regierung treibt die Industrialisierung voran – auf Kosten der gefährdetsten Bevölkerungsgruppen des Landes.“

Einige Banken und beteiligte Unternehmen:
Salini Costruttori (Italien) – Bauleitung des Staudamms
Harsco (USA) – Zulieferer von Ausstattung
Dongfang Electric Corporation (China) – elektronische und hydro-mechanische Arbeiten
ICBC (China) – Bank
EXIM (China) – Bank

Indigene Völker im Omo-Tal
Indigenes Volk

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