Brasiliens dunkle Seite: Amazonas-Indianer protestiert bei WM-Pokal-Tour

"Nixiwaka Yawanawá trug bei der Aktion ein T-Shirt mit dem Slogan 'Brasilien: Zerstörung von Indianern stoppen', doch Coca-Cola und FIFA hinderten ihn daran, die ganze Botschaft neben dem Pokal zu zeigen."
"Nixiwaka Yawanawá trug bei der Aktion ein T-Shirt mit dem Slogan 'Brasilien: Zerstörung von Indianern stoppen', doch Coca-Cola und FIFA hinderten ihn daran, die ganze Botschaft neben dem Pokal zu zeigen."

© FIFA

Nixiwaka Yawanawá, ein Amazonas-Indianer aus Brasilien, hat den FIFA WM-Pokal auf seiner Tour durch Europa mit dem Slogan “Brasilien: Zerstörung von Indianern stoppen” in London empfangen. Mit seinem Auftritt lenkt Nixiwaka Aufmerksamkeit auf den Feldzug gegen die Rechte der indigenen Bevölkerung Brasiliens. Coca-Cola und FIFA hinderten Nixiwaka daran den ganzen Slogan zu zeigen, während er neben dem Pokal stand.

Nixiwaka und die Menschenrechtsorganisation Survival International kritisieren im Vorfeld der Fußball-WM 2014 in Brasilien, dass Indigene im Land auch 500 Jahre nach der Kolonialisierung noch immer getötet und ihre Gebiete gestohlen werden. Während Brasilien sich als vielfältige Demokratie präsentiert und eine Weltmeisterschaft “für jeden” abhalten will, planen Regierung und Landbesitzer, indigene Gebiete in Brasilien für Industrieprojekte auszubeuten.

Eine geplante Verfassungsänderung würde Brasiliens Kongress, der stark unter dem Einfluss der anti-indigenen Agrarlobby steht, Mitsprache bei der Demarkierung indigener Territorien erteilen. Damit würden weitere Verzögerungen und Hürden für den Schutz des angestammten Landes der indigenen Bevölkerung entstehen.

"Nixiwaka Yawanawá protestierte gegen Brasiliens Angriff auf die hart erkämpften Rechte indigener Völker."
"Nixiwaka Yawanawá protestierte gegen Brasiliens Angriff auf die hart erkämpften Rechte indigener Völker."

© Sarah Shenker/Survival

Eine weitere kontroverse Gesetzesvorlage würde indigene Gebiete für Militärbasen, Bergbau, Staudämme und andere Industrieprojekte zugänglich machen. Im ganzen Land protestieren Angehörige indigener Völker entschlossen gegen diese Pläne.

Der Angriff auf die Rechte indigener Völker ist auch verheerend für unkontaktierte Völker, die in Brasiliens Amazonasgebiet leben. Die Anerkennung und der Schutz ihres Landes sind entscheidend für ihr Überleben, da Kontakt mit Außenstehenden durch die Übertragung von Krankheiten, gegen die sie keine Abwehrkräfte gebildet haben, lebensgefährlich ist. Vielen unkontaktierten Indianern drohen zudem brutale Angriffe von illegal eingedrungenen Holzfällern oder Bergarbeitern.

Nixiwaka erklärte: “2014 schaut die Welt auf Brasilien und die WM – dies ist eine gute Gelegenheit für uns, der internationalen Gemeinschaft den Kampf um unser Land zu zeigen. Wir brauchen die Hilfe von allen, um unseren Regenwald zu schützen. Wir sind für unser Überleben auf den Wald angewiesen. Ich hoffe, dass die brasilianische Regierung bei der Einhaltung der Rechte indigener Völker eine Führungsrolle einnimmt und andere folgen werden.”

"Vielen Guarani ist nur der Straßenrand geblieben, seit sie den Großteil ihres Landes an Rinderfarmen und Zuckerrohrplantagen verloren haben."
"Vielen Guarani ist nur der Straßenrand geblieben, seit sie den Großteil ihres Landes an Rinderfarmen und Zuckerrohrplantagen verloren haben."

© Paul Patrick Borhaug/Survival

Brasilianische Völker wie die Guarani warten seit vielen Jahren auf die Demarkierung ihrer Gebiete. Durch den Verlust eines Großteils ihres Landes müssen sie unter gefährlichen und erbärmlichen Verhältnissen am Straßenrand oder in völlig überfüllten Reservaten leben. Sie leiden unter Mangelernährung, Gesundheitsproblemen und Alkoholismus und ihre Anführer werden immer wieder Ziel von Mordanschlägen durch die Söldner der Landbesitzer.

Coca-Cola, das die Reise des WM-Pokals veranstaltet und der größte Sponsor der WM ist, wurde kürzlich auch in den Kampf der Guarani um ihr Land verwickelt: Ein Bericht enthüllte, dass das Unternehmen Zucker vom US-Lebensmittelkonzern Bunge bezieht, der wiederum Zuckerrohr von Farmer einkauft, die das Land der Guarani gestohlen haben.

Ein Guarani-Sprecher erklärte gegenüber Survival International: “Coca-Cola muss aufhören, Zucker von Bunge zu kaufen. Während diese Unternehmen Profit machen, müssen wir Hunger, Leid und Tod ertragen.”

Stephen Corry, Direktor von Survival International, erklärte heute: “Brasilien wird immer wieder als ökonomische Erfolgsgeschichte gepriesen – noch häufiger mit der Fußballweltmeisterschaft vor der Tür. Doch es ist nur fair anzuerkennen, dass dieses ökonomische Wachstum auf immensen menschlichen Kosten beruht: Im letzten Jahrhundert sind Hunderttausende Indigene daran zugrunde gegangen und ganze Völker wurden ausgelöscht. Es ist Zeit, Brasiliens dunkle Seite zu erkennen.”

Hinweis an die Redaktion:

- Nixiwaka Yawanawá steht für Interviews (in Englisch oder Portugiesisch) zur Verfügung.

- Im Vorlauf der FIFA-WM wird Survival regelmäßig “Brasiliens dunkle Seite” und die Situation brasilianischer Indigener beleuchten.