UN: 34 indigene Völker Kolumbiens kurz vor der Auslöschung

"Die Situation der Nukak verdient dem Bericht zufolge „besondere Aufmerksamkeit“."
"Die Situation der Nukak verdient dem Bericht zufolge „besondere Aufmerksamkeit“."
© David Hill/Survival

Ein Artikel des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen warnt, dass mindestens 34 indigene Völker in Kolumbien aufgrund der anhaltenden Gewalt auf ihrem Land in ihrer Existenz bedroht sind.

In dem Artikel heißt es: „Trotz neuer Bemühungen des kolumbianischen Staates … bleibt das Risiko des physischen oder kulturellen Verschwindens bestehen, in einigen Fällen ist es sogar gestiegen.“

Ein Anstieg an Morden, Todesdrohungen und die Zwangsrekrutierung indigener Jugendlicher in bewaffnete Gruppen sind Berichten zufolge lediglich einige der Gefahren für Kolumbiens Indigene. Außerdem kommt es zu Vertreibungen innerhalb des Landes. Der Anteil der Indigenen an Kolumbiens vier Millionen Binnenflüchtlingen beträgt 15%, bei einem Bevölkerungsanteil von nur 2%.

Zwei Wochen vor Veröffentlichung des UN Beitrags wurde Luis Socarrás Pimienta, ein führender Vertreter der Wayúu, von einem mutmaßlichen Paramilitär vor seinem Haus in der nordkolumbianischen Provinz La Guajira. erschossen. Nach Angaben des Berichts ist die Zahl der Morde an kolumbianischen Indigenen von 2008 auf 2009 um 63% angestiegen. Allein 33 Mitglieder der Awa wurden 2009 ermordet.

Den Awa habe „besondere Aufmerksamkeit“ zu gelten, ebenso wie den Nukak , die zu den letzten nomadischen Völkern des Amazonas-Gebietes zählen, so der Artikel. Über die Hälfte der Nukak wurden ausgerottet, seit Koka-Pflanzer auf ihr Land vordrangen. Die Nukak sind nach wie vor in einem brutalen Schwebezustand gefangen zwischen beklemmenden Flüchtlingsunterkünften an den Rändern der Städte und dem Wald, in dem ihnen Gewalt droht.

Ein früherer UN-Bericht spricht von einem mutmaßlichen Programm „ethnischer Säuberung“ in Kolumbien, um Platz zu schaffen für den Anbau illegaler Kulturen, oder um „Agro-Business im großen Stil einzuführen, darunter Palmöl-Plantagen und Rindfleisch-Produktion.“

Ein Anführer der kürzlich vertriebenen Wounaan sagte: „Wir können uns immer weniger frei bewegen, selbst um zu jagen oder Nahrung zu sammeln.“ Schuld daran seien die Anwesenheit bewaffneter Gruppen und die als Folge der auf Wounaan-Gebiet eingeströmten Koka-Kultivierung angestiegene Gewalt.

Stephen Corry, der Direktor von Survival, erklärte heute: „Kolumbiens ehemaliger Präsident Uribe erhebt Anspruch auf eine erfolgreiche Bekämpfung der Gewalt- Dieser Artikel hat jedoch erneut die katastrophale Bilanz des Landes bei Menschenrechtsverletzungen gegen seine indigene Bevölkerung belegt. Die neue Regierung von Juan Manuel Santos muss nun ein für alle mal handeln, bevor es zu spät ist, um die gefährdetsten Bürger Kolumbiens vor der Auslöschung zu bewahren.“