Internationale Kritik an äthiopischem Staudamm wächst

Die Mursi sind eines der von Gibe III betroffenen Völker im Omo-Tal.
Die Mursi sind eines der von Gibe III betroffenen Völker im Omo-Tal.
© Eric Lafforgue/Survival

Parlamentsabgeordnete in Kenia und das UNESCO-Welterbekomitee haben Äthiopien dazu aufgefordert, den Bau des umstrittenen Gibe III Staudammes am Omo-Fluss zu stoppen.

Das UNESCO-Welterbekomitee drückte in seinem Jahresbericht “äußerste Besorgnis über den geplanten Bau des Gibe III Staudammes und seine voraussichtlichen Auswirkungen auf den Turkana See” aus, welcher seit 1997 ein Weltkulturdenkmal ist.

Das Komitee fürchtet die Zerstörung des anfälligen Hydrosystems sowie der Wasserlebewesen. Der Damm würde den Wasserspiegel des Sees erheblich absenken.

Der Turkana See liegt an der Grenze zwischen Kenia und Äthiopien. Der Omo-Fluss aus Äthiopien ist der wichtigste Zufluss des Sees.

Das Komitee drängt die äthiopische Regierung, “sofort den Bau des Gibe III Dammes abzubrechen” und “fordert alle Geldgeber für den Bau von Gibe III auf, die finanzielle Unterstützung einzustellen…”

Das Komitee äußerte sich auch besorgt über die “potenziellen kumulativen Auswirkungen der geplanten Gibe IV und Gibe V Dämme und der großflächigen Bewässerungspläne auf der Seite des Turkana Sees”.

Die äthiopische Regierung verpachtet große Teile angestammten Landes indigener Völker im Süden der Omo-Region an ausländische und staatliche Unternehmen, um Zuckerrohr anzubauen und die Erträge und Biokraftstoffe zu exportieren. Zurück bleiben viele indigene Völker, die ohne das Land nicht in der Lage sind sich selbst zu ernähren oder ihr Vieh zu weiden.

Widerstand gegen die Verpachtung wird brutal unterdrückt. Survival hat Berichte erhalten, laut welchen Angehörige indigener Völker zusammengeschlagen oder verhaftet werden, wenn sie ihre Bedenken und Probleme äußern.

In einem Antrag, der am 10. August im kenianischen Parlament debattiert wurde, drückten verschiedene Parlamentsabgeordnete ihre Bedenken über die Auswirkungen von Gibe III auf die indigenen Gruppen aus, welche rund um den Turkana See in Kenia leben.

Ein Parlamentsabgeordneter sagte, der Damm würde sich negativ auf sechs Völker innerhalb des Gebietes auswirken und sei eine ernsthafte Belastung für die Ressourcen in einer ohnehin schon unbeständigen Region.

Eine andere Parlamentsabgeordnete klagte die kenianische Regierung an, die Notlage seiner eigenen Bevölkerung zu ignorieren, indem sie nicht dem Bau des Gibe III Dammes entgegenwirkt. Dieser würde die Lebensgrundlage und die Unabhängigkeit der Menschen rund um den Turkana See zerstören.

Das kenianische Parlament verabschiedete eine Erklärung, derzufolge die Regierung Kenias die äthiopische Regierung zum Stopp des Gibe III Dammes auffordern soll, bis ein vollständiger und unabhängiger Bericht über die sozialen und ökologischen Auswirkungen verfasst wurde.