Kenia: Umstrittenes CO₂-Projekt erneut von Verra gebilligt – Stellungnahme von Survival International

22 Juni 2026

© Beckwith & Fisher
Maasai-Hirte mit seinem Vieh, Kenia. © Beckwith & Fisher

Stellungnahme von Survival International zu den jüngsten Entwicklungen im Northern Kenya Rangelands Carbon Project (NKRCP)

In der vergangenen Woche hat die CO₂-Zertifizierungsstelle Verra ein hoch umstrittenes CO₂-Kompensationsprojekt in Kenia, das vom Northern Rangelands Trust (NRT) geleitet wird, zum zweiten Mal reaktiviert. Dies geschah trotz eines Gerichtsurteils aus dem Jahr 2025, das feststellte, dass zwei der größten vom NRT eingerichteten Schutzgebiete verfassungswidrig eingerichtet wurden.

Eines dieser illegal eingerichteten Gebiete, Biliqo Bulesa, liefert etwa 20 Prozent der CO₂-Zertifikate für das gesamte CO₂-Projekt. Das Gerichtsurteil könnte auch Auswirkungen auf die Rechtmäßigkeit der Hälfte der anderen beteiligten Schutzgebiete haben.

Trotz der erheblichen Zweifel, die dieses Urteil an der allgemeinen Tätigkeit des NRT aufwirft, entschied Verra vergangene Woche, das gesamte Projekt mit einer Fläche von zwei Millionen Hektar wieder aufzunehmen. Grundlage war ein sogenannter „Ratifizierungsprozess“, der lediglich in einer einzigen Gemeinde durchgeführt wurde – und das, ohne das endgültige Urteil des noch laufenden Gerichtsverfahrens abzuwarten, gegen das NRT Berufung eingelegt hat. Dies ist nicht nur absurd, sondern eine Katastrophe für die Rechte indigener Völker.

Bei der „Ratifizierung“ soll angeblich die freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) der Gemeinden eingeholt worden sein. Diese Zustimmung muss jedoch vor Beginn eines Projekts eingeholt werden. In diesem Fall geschieht dies erst 14 Jahre später in einer einzigen Gemeinde, nachdem ein Gericht festgestellt hat, dass das gesamte Projekt auf rechtswidrigem Landraub basiert.

NRT und Verra beheben hier nicht einfach einen formalen Fehler; sie versuchen, ein Projekt nachträglich zu legitimieren, das von Anfang an nicht hätte existieren dürfen.

Wenn andere Gemeinden weiterhin „Nein” sagen – was dann? Wird Verra das Projekt schließlich einstellen, oder weiterhin nach neuen Wegen suchen, um ein „Ja” zu erzwingen?

Dies ist der eigentliche Skandal: Nach dem Regelwerk von Verra ist es möglich, CO₂-Zertifikate zu verkaufen, die aus Verletzungen der Rechte indigener Völker nach internationalem Recht hervorgehen. Unternehmen wie Meta und Netflix können diese jahrelang kaufen und damit handeln. Wird ein Verstoß aufgedeckt, wird einfach die Dokumentation rückwirkend angepasst und weitergemacht, als wäre nichts geschehen.

Das ist keine Glaubwürdigkeit, sondern Straflosigkeit. Und es ist eine Warnung an alle Kund*innen von Verra: Wenn das „Compliance“ sein soll, dann ist das gesamte System kaum mehr als Schönfärberei und Greenwashing auf Kosten indigener Völker.

Das Projekt wird derzeit umstrukturiert, um mit den kenianischen Gesetzen in Einklang gebracht zu werden. Dies wirft die Frage auf, wie es überhaupt im Verra-System genehmigt werden konnte und wie Millionen von Zertifikaten ausgegeben werden konnten, obwohl es offensichtlich nicht mit kenianischem Recht vereinbar war – und keine Zustimmung der Gemeinden eingeholt wurde. Survival liegen zudem Informationen vor, dass einige Gemeinden sich diesem Prozess widersetzen. Die Entscheidung von Verra, das Projekt wieder einzusetzen, hat einen Zustimmungsprozess faktisch vorweggenommen.

 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Niklas Ennen

+49 (0)30 7229 3108

[email protected]

Maasai

Indigenes Volk

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