Kritik: Rückschrittliche Wahlversprechen auf Kosten der Jarawa in Indien

"Wahlkandidaten haben 'versprochen', dass sie die Pufferzone aufheben und die Jarawa in die Mehrheitsgesellschaft assimilieren würden, obwohl es für das indigene Volk schlimme Folgen haben kann."
"Wahlkandidaten haben 'versprochen', dass sie die Pufferzone aufheben und die Jarawa in die Mehrheitsgesellschaft assimilieren würden, obwohl es für das indigene Volk schlimme Folgen haben kann."
© Survival

Survival International hat Wahlversprechen als gefährlich kritisiert, die Kandidaten im Vorlauf der Parlamentswahlen 2014 in Indien gemacht haben. Die Pläne würden die Rechte der Jarawa um Jahrzehnte zurückwerfen.

Als Teil der regressiven Versprechen sollen die Jarawa in die Mehrheitsgesellschaft assimiliert werden, die schützende Pufferzone um das Jarawa-Gebiet soll aufgehoben werden und es sollen zwei Brücken entlang der illegalen Andaman Trunk Road (ATR) gebaut werden. Dies könnte verheerend für das Wohl der Jarawa sein.

Durch das, was inzwischen als “Menschensafaris” bekannt ist, sind die Jarawa bereits heute mit entwürdigendem Eindringen in ihrer Heimat im Wald konfrontiert: Hunderte Touristen fahren täglich über die Andaman Trunk Road, in der Hoffnung, Angehörige des Volkes zu sichten.

"Hunderte Touristen fahren täglich durch das Schutzgebiet der Jarawa."
"Hunderte Touristen fahren täglich durch das Schutzgebiet der Jarawa."

© www.andamanchronicle.net /Survival

Die aktuellen Verwaltung hat versprochen entlang der Küste bis März 2015 eine alternative Schiffsroute einzrichten, um zu verhindern, dass Touristen die ATR benutzen. Nun haben aber sowohl Kandidaten der Kongresspartei als auch Kandidaten der Bharatiya Janata Party (BJP) versprochen, zwei neue Brücken entlang der existierenden Straße innerhalb des Jarawa-Schutzgebietes zu bauen. Dies lässt die Einführung einer alternativen Schiffsroute immer unwahrscheinlicher erscheinen.

Zur Zeit ist es kommerziellen und touristischen Einrichtungen nicht erlaubt, sich innerhalb der Pufferzone niederzulassen, die das Jarawa-Gebiet umgibt. Dennoch haben Kandidaten der BJP und der Kongresspartei sich jetzt dazu verpflichtet, die Pufferzone aufzuheben – eine höchst rückschrittliche Maßnahme.

Bishnu Pada Ray, der derzeitige Premierminister der Andamanen und Kandidat der BJP, hat außerdem vesprochen, die Jarawa in der Mehrheitsgesellschaft zu assimilieren, sollte er wiedergewählt werden – eine Maßnahme, die von der internationalen Gemeinschaft als absolut inakzeptal angesehen wird. Erst kürzlich verurteilte auch Indiens Präsident Versuche, indigene Völker zur Assimilation zu zwingen, da dies schon zur Ausrottung gesamter Völker geführt hat.

Maßnahmen zum ‘Mainstreaming’ indigener Völker haben in der Vergangenheit verheerende Folgen gehabt, insbesondere für das benachbarte Volk der Jarawa, die Großen Andamanesen. Als man versuchte sie anzusiedeln, wurde das Volk dezimiert. Heute gibt es nur noch 53 Angehörige der Großen Andamanesen.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute: “Die skandalösen Vorschläge von Bishnu Pada Ray zeigen die äußerste Geringschätzung für das Überleben der Jarawa. Versuche, das Volk zu assimilieren, werden es zerstören. Das Konzept des Mainstreaming selbst ist in der kolonialen Einstellung und in der überholten Überzeugung verwurzelt, Regierungen wüssten es besser. Diese Vorgehensweise hat eigentlich immer katastrophale Folgen.”