Guyana: Plan für Monster-Staudamm enthüllt 14 November 2013

Die Akaweio und Arekuna fischen im Mazaruni und seinen Nebenflüssen. Der Staudamm würde das Land der Indigenen überfluten und ein Gebiet für immer zerstören, das für seine biologische Vielfalt und Schönheit bekannt ist.
Die Akaweio und Arekuna fischen im Mazaruni und seinen Nebenflüssen. Der Staudamm würde das Land der Indigenen überfluten und ein Gebiet für immer zerstören, das für seine biologische Vielfalt und Schönheit bekannt ist.
© Audrey Butt Colson

Die Umsetzung von Plänen zum Bau eines massiven Wasserkraftwerkes auf dem Land zweier indigener Völker in Guyana würde zur Zerstörung einzigartiger indigener Gesellschaften und großer Teile des Regenwaldes führen, enthüllt ein heute veröffentlichter Bericht.

Der Bericht “Ausgegraben, ausgetrocknet und weggespült?”, verfasst von der Anthropologin Dr. Audrey Butt Colson und veröffentlich von Survival International, zeigt, dass die Regierung Guyanas plant einen oder mehrere neue Staudämme am Oberlauf des Flusses Mazaruni zu bauen. Dadurch würde das gesamte Gebiet der Akawaio-Indigenen und eine Gemeinde der Arekuna überflutet werden.

Guyanas Regierung hüllt sich zu den Plänen in Schweigen. Das Projekt wurde eigentlich in den 1970er Jahren auf Eis gelegt, nachdem die Geldgeber, darunter die Weltbank, aufgrund einer Kampagne der Akawaio und von Survival International Abstand von dem Vorhaben nahmen.

Die Regierung hat nicht die freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) der betroffenen indigenen Völker eingeholt, wie es in internationalem Recht vorgesehen ist. Die betroffenen Völker haben vielmehr mündlich ihre Ablehnung zu dem Projekt erklärt.

Der Staudamm würde die Akawaio und Arekuna zu Flüchtlingen machen und für immer ein Gebiet zerstören, das bekannt ist für seine beeindruckende Schönheit, biologische Vielfalt und seinen wissenschaftlichen Wert. Bekannt wurde die Region um die Roraima-Tepui durch das Buch Die verlorene Welt von Arthur Conan Doyle.

Die Gemeinden am Oberlauf des Mazaruni erklärten: “Unsere Großeltern akzeptierten in der Vergangenheit das Wasserkraftprojekt nicht, die Enkel teilen die Position unserer Großeltern und sagen NEIN zum Kurupung-Projekt [früher bekannt als Oberer Mazaruni-Staudamm]”.

Blick über das Gebiet am Mazaruni-Fluss, in dem der Staudamm entstehen soll. Außer den höchsten Punkten würde alles überflutet werden.
Blick über das Gebiet am Mazaruni-Fluss, in dem der Staudamm entstehen soll. Außer den höchsten Punkten würde alles überflutet werden.

© Audrey Butt Colson

Jean La Rose von der Amerindian Peoples Association in Guyana sagte: “Wir verstehen, dass [Guyana] sich in einer wandelnden Welt entwickeln muss, aber dies kann nicht auf Kosten unseres Lebens als Volk geschehen. Land ist die Quelle unseres Überlebens und es muss auch noch unsere nächsten Generationen tragen. Unsere eigene Kultur, Geschichte und Identität als das erste Volk dieser Nation, das von unserer Umwelt abhängt um zu überleben, muss respektiert werden. Die Prinzipien der freien, vorherigen und informierten Zustimmung müssen für Projekte und Programme, die ökonomische und kulturelle Folgen für uns als indigenes Volk haben, auf allen Regierungsebenen umgesetzt werden.”

Die Akawaio haben erklärt: “Dieses Land hält uns innerhalb seiner Berge zusammen – wir erkennen, dass wir nicht nur ein paar Menschen oder separate Dörfer sind, sondern ein Volk, das zu seiner Heimat gehört.”

Es ist wahrscheinlich, dass auch brasilianische Bauunternehmen, die im kontroversen Belo Monte-Staudamm beteiligt sind, sich um Aufträge an dem Projekt bemühen werden. Der Staudamm würde Energie für die Bergbauindustrie in Guyana und Brasilien bereitstellen.

Die Akawaio fordern schon seit Jahren, dass die Regierung Guyanas ihre kollektiven Landrechte anerkennt, da immer mehr Goldschürfer aus Guyana und Brasilien in ihr Gebiet eindringen. 1998 reichten sie eine Klage vor dem Obersten Gericht Guyanas ein, doch auch nach 15 Jahren voller Vertagungen und Verzögerungen, hat das Gericht noch keine Entscheidung gefällt.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, erklärte heute: "Guyana versucht seine “kohlenstoffarme Entwicklungsstrategie” als Trumpf auszuspielen, doch damit kann man nicht die grausame Enteignung dieser indigenen Völker rechtfertigen. Das Land und der Wald gehören den Akawaio und ihren Nachbarn, den Arekuna. Dieses Projekt ist keine “Entwicklung” – es ist ganz simpler Diebstahl. Die Geschichte zeigt, dass der Diebstahl ihres Landes indigene Völker vollkommen mittellos zurücklässt, wenn sie ihn überhaupt überleben. Täuschen Sie sich nicht – dieses Projekt wird die Akawaio zerstören."

Hinweis an die Redaktion:

- Die Akawaio und Arekuna zählen konservativen Schätzungen zufolge etwa 10.000 Angehörige und leben seit jeher im Wald des Pakaraima-Gebirges, in der Nähe der Tafelberge Roraima-Tepui. Sie betreiben in den Wäldern Gärten, in denen sie Obst und Gemüse anbauen, und fischen im Mazaruni und seinen Nebenflüssen. Sie nennen sich gemeinsam A’murugok (Menschen des Quellgebietes).

- Das Pakaraima-Gebirge und das angrenzende Grasland in Guyana, Brasilien und Venezuela bilden den höchsten Teil des Berglandes von Guayana. Dort entspringen Gewässer, die den Amazonas, den Essequibo und den Orinoco speisen, die drei großen Flüsse in der nördlichen Hälfte Südamerikas. Die Region gilt als eine der biologisch vielfältigsten und klimatisch sensibelsten der Erde. Die Regierung Guyanas plant dort den Bau von Bergwerken und Wasserkraftanlagen.

- Lesen Sie den Bericht ‘Dug out, dried out or flooded out?’ der Anthropologin Dr. Audrey Butt Colson (PDF, 2,4 MB, Englisch)

- Lesen Sie die Erklärung der Gemeinden am Oberen Mazaruni (PDF, 62 KB, Englisch)

 

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