Land missachteter Stimmen: Brasilien als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 7 Oktober 2013

Die Awá und andere indigene Völker in Brasilien sind, wie seit Jahrzehnten nicht mehr, durch neue Gesetzesvorhaben bedroht.
Die Awá und andere indigene Völker in Brasilien sind, wie seit Jahrzehnten nicht mehr, durch neue Gesetzesvorhaben bedroht.

© Toby Nicholas/Survival

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse, die in zwei Tagen beginnt und bei der sich Brasilien unter dem Motto “Land voller Stimmen” als Ehrengast präsentiert, macht die Menschenrechtsorganisation Survival International auf die Missachtung der Rechte indigener Völker in Brasilien aufmerksam.

In einem Animationsfilm, den Survival heute veröffentlichte, wird insbesondere die Notlage der Awá, des bedrohtesten Volkes der Welt, beleuchtet: Die Geschichten und das Wissen der Awá könnten ganze Bibliotheken füllen, doch das indigene Volk steht durch die illegale Zerstörung seines Gebietes am Rande der Ausrottung. Dennoch hat Brasiliens Regierung bisher keine konkreten Maßnahmen zu seinem Schutz ergriffen.

Brasilien rühmt sich als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse in einem Präsentationsvideo seiner kulturellen Vielfalt und des Amazonas-Regenwaldes. Gleichzeitig erlebt das Land eine der stärksten Bewegungen gegen die Rechte indigener Völker seit Jahrzehnten, bei denen mit neuen Gesetzen auch indigene Schutzgebiete erstmals für großflächigen Bergbau geöffnet werden könnten: eine Katastrophe für die Selbstbestimmung und das Überleben vieler indigener Völker in Brasilien.


Unter den Plänen würden auch indigene Völker wie die Guarani im Bundestaat Mato Grosso do Sul leiden. Viele Gemeinden wurden von ihren angestammten Gebieten vertrieben, um Platz für Zuckerrohr- und Sojaplantagen sowie Viehzuchtfarmen zu schaffen. Seitdem leben sie in überfüllten Reservaten oder kampieren am Straßenrand, wo die Lebensbedingungen verheerend sind und die Selbstversorgung unmöglich ist. Die Verabschiedung der neuen Gesetzesvorlagen würde die Anerkennung der Landrechte der Guarani, und somit ihr Überleben, gefährden.

2013-2014 findet das Deutschland-Brasilien Jahr statt, das auch von Industrieunternehmen wie Siemens unterstützt wird, das mit seinem Jointventure Voith Hydro am Bau des umstrittenen Belo Monte-Staudamms beteiligt ist. Der Belo Monte-Staudamm, der gerade gebaut wird und der drittgrößte der Welt werden soll, wird die Ökosysteme und die Artenvielfalt zerstören, die indigene Völker über Jahrtausende behütet haben. Damit wird nicht nur die Natur vernichtet, sondern auch ein Teil der brasilianischen Bevölkerung, dessen Stimmen die Regierung zum Schweigen bringen zu wollen scheint.

Brasilien stellt sich bei der Buchmesse als 'Land voller Stimmen' vor, doch die Anliegen indigener Völker wie der Guarani bleiben ungehört.
Brasilien stellt sich bei der Buchmesse als 'Land voller Stimmen' vor, doch die Anliegen indigener Völker wie der Guarani bleiben ungehört.

© Survival

Linda Poppe, Koordinatorin von Survival Deutschland, sagte heute: “Bevor Brasilien sich als Land voller Stimmen darstellt, sollte es dem Zweiklassensystem im Bereich der Menschenrechte ein Ende setzen. Denn Vielfalt und Diskriminierung passen nicht zueinander. Solange die Rechte der indigenen Völker im Namen von Industrialisierung und ‘Entwicklung’ angegriffen werden, wird das Image von Brasilien auf internationaler Ebene leiden. Sicher wäre es auch im Interesse der brasilianischen Regierung einiges für, und nicht gegen, indigene Rechte zu leisten.”

 

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