Gewaltsame Reaktion gegen Indianer im brasilianischen Amazonasgebiet

Gestern stürmte eine Gruppe von ungefähr 200 brasilianischen Siedlern die katholische Mission von Surumu im Indianerreservat Raposa Serra do Sol im Staat Roraima in Nordamazonien. Sie nahm drei Missionare als Geiseln. Die lokale Fernsehstation zeigte sie mit gefesselten Händen, dazu gezwungen im Freien in der brennenden Sonne zu stehen. Die Mission, welche über ein Krankenhaus und eine Schulküche für die indigene Bevölkerung verfügt, wurde zerstört. Alle Straßen im Gebiet wurden von den Siedlern blockiert. Die Polizei verhandelt um die Freilassung der Geiseln, die aus Brasilien, Kolumbien und Spanien stammen. Siedler und Unterstützer protestieren auch in Boa Vista, der Hauptstadt des Bundesstaates.

Jahrzehntelang kämpften die Makuxi und andere Stämme aus Raposa Serra do Sol für die Anerkennung ihres Gebietes. Obwohl es schon seit 1998 kartographiert und demarkiert ist, hat der Präsident es entgegen all seinen Versprechungen noch immer nicht durch seine Unterschrift „ratifizert. Der brasilianische Justizminister erklärte am 23. Dezember, dass der Präsident nun aber seinen Versprechungen Folge leisten wolle und im Zuge der Ratifizierung die 7000 Siedler im Gebiet – vorwiegend Reisbauern und Viehzüchter – von dort entfernen werde.

Ein Sprecher des indigenen Rates von Roraima sagte heute: „Die Ratifizierung von Raposa Serra do Sol ist das Barometer, an dem man die Einstellung der Lula Regierung messen kann. Wenn die Regierung jetzt handelt, werden die Indianer ganz Brasiliens dies als Zeichen verstehen, dass die Regierung ihre Rechte endlich anerkennt." Trotz der manifestiven Versprechungen, die Rechte der indigenen Bevölkerung Brasiliens zu respektieren, war das erste Regierungsjahr von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva geprägt von einer massiven Zunahme der Gewalt gegen Indianer, wenig Fortschritt in der Frage der Rückgabe von Land, einer verstärkten Stationierung von Militär in den indigenen Gebieten und Kürzungsdrohungen bei der Gesundheitsversorgung der Indianer.

Mittlerweile – zu Beginn des letzten Jahres der UN Dekade der indigenen Völker – hat auch die Regierung Großbritanniens erwogen, ihre Fördergelder zum Schutz des Regenwaldes Amazoniens und der dort lebenden Stammesvölker zu kürzen.

Survivals Generaldirektor Stephen Corry sagte heute: „Die Hoffnung der brasilianischen Indianer wurden im Jahr 2003 zerschlagen. Um weitere Gewalt im Jahr 2004 zu verhindern, muss Lula endlich beginnen, ihre Landrechte ernst zu nehmen. Und die Ratifizierung von Raposa Terra do Sol muss ein erster Schritt dazu sein."  


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